Vor dem Prager Parlament
Mitte: Frau Lorberg
Vor der deutschen Botschaft
(Foto: Gloeden)
In der Sudetendeutschen Vertretung
Links: Frau Lorberg
Mitte: Herr Barton, Büroleiter Prag
Haus der Minderheiten in Prag
Frau Lorberg verabschiedet die Reiseleiterin Frau Irena Novak
 

Verständigungspolitische Fahrt des BdV Niedersachsen nach Prag vom 07.-10.10.2015

Nach Fahrten durch Pommern, Ostpreußen und Schlesien organisierte der Vorstand des BdV Niedersachsen eine verständigungspolitische Fahrt in der Zeit vom 07.- 10.10.2015 mit 42 Personen.

 

Ziel war erneut die Hauptstadt von Tschechien, Prag und die dort wohnenden Menschen. Obwohl nicht vom Wetter gerade begünstigt, konnte die mit der deutschen Geschichte eng verbundene Stadt Prag ausreichend besichtigt werden. Der Begriff der „goldenen Stadt“ ist begründet mit den monumentalen Bauten, Skulpturen, Denkmalen, vielfach im goldenen Farbton gehalten. Eine von Menschen aus aller Welt pulsierende Innenstadt zog auch uns in seinen Bann.

 

Es wurden besichtigt bzw. gesehen die Prager Burg - der Hradschin, die Altstadt mit der historischen astronomischen Uhr, enge Gassen, breite Boulevards, der jüdische Stadtteil und natürlich wurde der obligatorische Weg über die Karlsbrücke gegangen. In landestypischen Gaststätten, wie im Kloster Strahov oder innerstädtischen Gaststätten, wie auch im traditionsreichen Kommunalhaus, ähnlich dem Münchener Hofbräuhaus, wurden die meist landestypischen Mahlzeiten eingenommen.

 

Hauptgrund der Reise waren aber inhaltsreiche Gespräche mit tschechischen Politikern und Personen, die sich im deutsch-tschechischen Verhältnis hervorgetan haben. So konnten wir im Parlament mit Herrn Ondrej Benesik von der KDU-CSL, einer der CDU nahe stehenden Partei sprechen, ebenfalls mit Frau Nina Novakova von der Schwarzenberg Partei „TOP 09“.

 

Im Haus der nationalen Minderheit erklärte uns der Hausdirektor Jakub Stedron die Arbeit und Zusammensetzung der im Haus vertretenen 11 Minderheiten und Herr Michal Uhl, früher Partei der Grünen, heute Mitglied des Rates im Institut zur Forschung totalitärer Regime, zeigte volles Verständnis für unsere Belange.

 

In den Gesprächen war die derzeitig bestehende Flüchtlingsproblematik das alles beherrschende Thema, auch wie die Bundesrepublik Deutschland zu der Aufnahme steht. Auch wenn Tschechien in dieser durch die EU geführten Debatte abseits steht, so scheuen sich die verantwortlichen Politiker in Prag, Menschen aus Regionen mit islamischem Glauben aufzunehmen, hätten andererseits, was vielfach unbekannt ist, auch Flüchtlinge aus benachbarten Krisengebieten, wie der Ukraine aufgenommen.

 

Auch der Umgang mit der gemeinsamen Geschichte spielte eine große Rolle. Obwohl bei der älteren Gesellschaft immer noch Vorbehalte gegen Deutschland bestehen, habe sich bei der Jugend ein Wandel vollzogen und Deutschland wird inzwischen als Vorbild angesehen.

 

Durch die wirtschaftlichen Verflechtungen und Verbindungen zieht es immer mehr Menschen gegenseitig in das andere Nachbarland.

 

So war der Besuch in der deutschen Botschaft sehr interessant. Herr Dr. Guido Müntel, Leiter des Pressereferates und Referent für Politik, gab uns wichtige Informationen über die Aufgaben und den Inhalt der Arbeit dieser Botschaft, außerdem über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes selbst. Für viele von uns eine Symbolstätte, als wichtige Etappe die deutsche Teilung zu überwinden, da von dort der damalige Bundesaußenminister Genscher die Ausreise für unzählig viele DDR Bürger in die Bundesrepublik Deutschland verkündigte. Ein gezeigter Film über die Dramatik dieser Zeit beeindruckte die Reiseteilnehmer ungemein, führte die Flüchtlingsproblematik unserer Zeit, ob 1945/46, 1989 oder heute sehr deutlich vor Augen.

 

Vor Ort waren Herr Peter Barton und Frau Eva Werner vom Sudetendeutschen Büro in Prag sowie Frau Irene Novak als Vorsitzende des Kulturverbandes der Deutschen unentbehrliche Helfer/innen, aber auch wichtige Gesprächspartner, da gerade sie vor Ort die Kenntnisse aus dem täglichen Leben haben, aus ihrer Arbeit in Prag, aber auch im ganzen Land für die verstreut lebenden Menschen deutscher Zunge berichten konnten.

 

Diese Reise zeigte erneut, die Wichtigkeit von Gesprächen und damit das gegenseitige Verständnis für die Probleme von Nachbarn und damit der Abbau von Vorurteilen, die leider trotz gemeinsamer EU Mitgliedschaft vielfach noch immer bestehen.