Teilnehmer an den Schlesischen Kulturtagen 2017 in Duderstadt (Foto: D. Breuer)

Schlesische Kulturtage 2017

Das gemeinsame kulturelle Erbe, dessen Pflege und Weiterentwicklung sowie die grenzüberschreitenden Beziehungen in die Heimatgebiete standen im Zentrum der „Schlesischen Kulturtage“ der Landmannschaft Schlesien in Niedersachsen, die vom 26. bis 28. September 2017 traditionell in Duderstadt stattfanden. Die rund 80, auf Einladung des Landesvorsitzenden Helmut Sauer (Salzgitter) aus fast allen Kreisgruppen angereisten Schlesier besprachen die Arbeit vor Ort, in den Heimatgebieten und gaben einander Anregungen, wie mit dem wichtigen Thema des Erinnerungs- und Verantwortungstransfers von der Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg hin zur Bekenntnisgeneration umzugehen ist. Auch der Brückenbau zu Schlesien wurde thematisiert, der von den Vertriebenen getragen wird und fortgesetzt werden soll. Für viele waren die Kulturtage, in deren Rahmen immer auch die Landesdelegiertentagung der Landsmannschaft stattfindet, nach dem Deutschlandtreffen der Schlesier im Juni in Hannover und der Verleihung des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen im August in Osnabrück das dritte wichtige heimatpolitische Ereignis des Jahres im Patenland der Schlesier.

Gleich zu Beginn ehrte Sauer die inzwischen 90-jährige langjährige Pressesprecherin Jutta Graeve-Wölbling (Soltau) für ihr langjähriges Engagement. Christine Hasler (Wolfsburg) machte die Zuhörer mit ihrer Heimatstadt Neurode vertraut. Dabei wurde auch die wechselvolle Geschichte gerade dieses Teiles von Schlesien an der Grenze zu Böhmen lebendig. Ergänzend erinnerte sie am nächsten Tag in einem Vortrag an den Theologen, Schriftsteller und Heimatforscher Prof. Dr. Joseph Wittig, dessen Wohnhaus in Neurode heute als Museum hergerichtet ist. Ebenso interessant war, was die Teilnehmer von dem aus Cosel stammenden Josef Gröger (Bad Heiligenstadt) erfuhren. Er stellte sein neues Buch „Flucht und Wiederkehr“ vor, welches im Mecke-Verlag in Duderstadt erschienen ist. Dabei ließ der 1930 geborene Küstersohn nicht nur seine Kindheit und Jugend in der Festungsstadt lebendig werden, sondern berichtete auch über viele Erlebnisse in der DDR, die der gläubige Katholik zu verkraften hatte.

Aktive Kulturpflege wurde den Teilnehmern durch einen Erntedankabend mit Liedern, Gedichten und Geschichten dank der Vorbereitung von Adelheid Moschner (Wolfsburg) ermöglicht. Über die die seit 65 Jahren bestehende „Stiftung Kulturwerk Schlesien“ in Würzburg und das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa mit Sitz in Oldenburg sprach Kulturreferentin Dr. Idis Hartmann (Oldenburg). Dabei gab es viel Neues zu erfahren.

Helmut Sauer hatte es übernommen, an seinen früheren CDU-Bundestagskollegen, Vizekanzler Dr. Erich Mende (Groß-Strehlitz/OS) zu erinnern, der im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Edith und Ernst-August Jacobs (Cuxhaven) brachten den Zuhörern und Zuschauern schlesische Maler in Wort, Bild und untermalt mit passender Musik näher. Dafür gab es viel Beifall.

Zum Abschluss hatte der Landesvorsitzende noch einmal alle Hände voll zu tun. Er informierte über heimat- und tagespolitische Entwicklungen und beantwortete vielfältige Fragen, u.a. zu den jüngst geäußerten Reparationsforderungen der polnischen Regierung, die er zurück wies.

Zu den nächsten Kulturtagen wird vom 5. bis 8. Oktober 2018 nach Duderstadt eingeladen.

Dietrich Breuer