Ehrungen während der JHV 2019

Berichte und Nachrichten Kreisverband Salzgitter

Helmut Sauer in Kattowitz mit Ehrenmedaille ausgezeichnet

Egon Primas spricht bei VdG-Jubiläum in Kattowitz

Die beiden Jubiläen 30 Jahre Gründung des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften (VdG) in Polen sowie 30 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag sind Anlass für eine ganze Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Deutschen in Polen in diesem Jahr an den Rückgewinn ihrer Freiheit erinnern.

Am 9. Oktober 2021 wurden diese Jubiläen in Kattowitz mit einem Gottesdienst, einer Podiumsdiskussion sowie einem Orchesterkonzert in der „Schlesischen Philharmonie“ begangen. Letzteres hatte besonders feierlichen Charakter, denn zum einen wurden verdiente Mitstreiter – auch der ersten Stunde – mit der VdG-Medaille bzw. mit der VdGEhrennadel ausgezeichnet. Und zum anderen würdigten Verbandsvertreter, Partner und Gäste aus Deutschland mit großer Empathie die vergangenen drei Jahrzehnte der Arbeit und zeichneten den Weg in die Zukunft vor.

Der VdG-Vorsitzende Bernard Gaida erinnerte erneut daran, dass die Minderheit erst im Zuge von Krieg und Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei: „Wir haben die Grenze nicht überschritten, es ist die Grenze, die uns überschritten hat.“ Heute setze sich der VdG für die guten deutsch-polnischen Beziehungen in der europäischen Gemeinschaft ein: „Wir standen und stehen weiterhin für die Europäische Union, für die Integration der Länder, und ich bitte uns alle, aber besonders die Regierung und die politischen Parteien darum, die Beteiligung Polens mit unseren Regionen in der großen europäischen Gemeinschaft nicht unter Fragezeichen zu stellen“, so Gaida.

Hans Jörg Neumann, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, betonte in einer kurzen Ansprache: „Die immer wieder unterstrichene Brückenfunktion der deutschen Minderheit für das deutsch-polnische Verhältnis ist Realität – und das wird auch bestimmt in Zukunft so bleiben. Der VdG ist aus den deutsch-polnischen Beziehungen nicht mehr wegzudenken.“

Ebenfalls ein kurzes Grußwort hielt der Bundesvorsitzende der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU (OMV) – Union der Vertriebenen und Flüchtlinge, Egon Primas. Er ging auf den Konzert-Charakter der Festveranstaltung ein und erklärte: „Musik kennt keine Grenzen. (…) Musik ist Kultur. Musik machen wiederum stiftet Gemeinschaft – und über die Gemeinschaft auch Identität. Musik kann Brücken bauen. Brücken zwischen Ländern, zwischen Kulturen oder zwischen Sprachen brauchen wir zu allen Zeiten. Auch heute.“ Der VdG und die Vertriebenenorganisationen in Deutschland seien erfolgreich als Brückenbauer und somit „Mit-Architekten einer stabilen und friedlichen Zukunft in Europa“.

Zu den mit der VdG-Ehrenmedaille Geehrten zählte auch der OMV-Ehrenvorsitzende Helmut Sauer (Salzgitter), der sich als damaliger OMV-Bundesvorsitzender, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) und Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien im Patenland Niedersachsen gemeinsam mit dem ersten VdG-Vorsitzenden Johann Kroll gerade in der Gründungsphase des Verbandes für die Lösung satzungstechnischer, organisatorischer und finanzieller Fragen eingesetzt hatte. Sauer zeigte sich tiefbewegt von der Auszeichnung und erinnerte in seinen Dankesworten daran, dass er gebürtiger Schlesier aus Quickendorf (Lutomierz) mit familiären Verbindungen zum einstigen Oberpräsidenten von Oberschlesien, Dr. Hans Lukaschek, und zu Prälat Carl Ulitzka sei. „Ich habe in deren Sinn weitergearbeitet, weil ich weiß, dass das unsere Heimat ist“, erklärte Sauer mit tränenerstickter Stimme seinen Einsatz für Projekte in Schlesien, etwa für Kirchengemeinden oder Krankenhäuser, über viele Jahre.

Foto: Lucas Netter/wochenblatt.pl
Foto: Lucas Netter/wochenblatt.pl
Foto: Lucas Netter/wochenblatt.pl
Foto: Lucas Netter/wochenblatt.pl

Urkunden und Blumen für 70-jährige Mitgliedschaft im BdV

Der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) leistet wichtige kulturelle Arbeit in Salzgitter.

Anlässlich der diesjährigen Jahreshauptversammlung im Kniestedter Gutshaus berichtete Kreisvorsitzender Detlev Jerke über die Veranstaltungen des vergangenen Jahres und die Planungen für 2019 u.a. ist eine Ausflugsfahrt nach Wolfenbüttel geplant. Die lange rückläufige Mitgliederzahl im Kreisverband konnte gestoppt werden, im vergangenen Jahr wurden neue Mitglieder gewonnen. Laut Detlev Jerke sind die Mitglieder im BdV Salzgitter sehr aktiv und die Kultur und das Brauchtum wird gepflegt. Die monatlich stattfindenden Unterhaltungsnachmittage erfreuen sich einer steigenden Beliebtheit, ein besonderer Dank an Helmut Stippler, der jeweils für die musikalische Begleitung am Akkordeon sorgt.
Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung standen jedoch Ehrungen für 70-jährige Mitgliedschaft und ehrenamtliche Mitarbeit im BdV Salzgitter.
Der Vorsitzende Detlev Jerke verteilte Urkunden und Blumen an:
Alfons Bittner, in Vertretung an seine Tochter Monika Hanisch, Ursular Bolluck, Edeltraut Dzwiewor, Helene Heidrich, Margarete Kessler, Gertrud Mahlke.


Eine besondere Ehrung erfuhr der Ehrenbürger der Stadt Salzgitter, Hermann Struck, der bereits 2018 für 60-jährige Zugehörigkeit mit der Goldenen Ehrennadel, der höchsten niedersächsischen Auszeichnung, geehrt wurde, da er nunmehr über 70 Jahre Mitglied im BdV ist. Der stellvertretende BdV Vorsitzende Gunter Kostorz nahm die Ehrung von Hermann Struck vor, der bereits am 1. Juli 1948 in den damaligen BvD (Bundes der Vertriebenen Deutschlands, erst am 27.Oktober 1957 wurde der BdV gegründet, in dem der BvD aufging) eingetreten ist. Hermann Struck ist nunmehr über 70 Jahre im BdV und hat immer seine Heimat Pommern im Herzen getragen und hat immer betont, wie stolz er ist, Pommer zu sein. Dieses Heimatgefühl schließt nicht aus weltoffen zu sein, das hat Hermann Struck auf seinem Lebensweg bewiesen. Er hat seine Wertschätzung für die Heimat, Geschichte und Tradition auch dann lebendig gehalten, als das für viele unmodern war, führte Kostorz aus.


Dass es Hermann Struck nach dem sinnlosen Krieg, in dessen Folge mehr als 2,3 Millionen Menschen auf der Flucht umgekommen sind, per Zufall nach Salzgitter geführt hat, sollte sich für die Stadt als Glücksfall ergeben. Er brachte sich, wie alle Vertriebenen, in den Aufbau der Stadt Salzgitter erfolgreich ein. Hermann Struck machte sich schon sehr bald einen Namen in der kommunalen Politik Salzgitters. Seine Zeit als Oberbürgermeister von 1986 bis 1996 ist uns allen noch in guter Erinnerung. In seiner Zeit als OB der Stadt Salzgitter hat Hermann Struck maßgeblich die 125 Jahr Feier der Stadt Kattowitz unterstützt, für die 1951 eine Patenschaft übernommen wurde, hierfür sei Hermann Struck an dieser Stelle im Namen aller ehemaligen Kattowitzer Bürger und vertriebenen Schlesiern, die eine neue Heimat in Salzgitter gefunden haben, gedankt, sagte Kostorz, der auch Mitglied im Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien ist.
Hermann Strucks Unterschrift steht auch unter den Verträgen der Partnerschaft zwischen Starij Oskol und Gotha. Dank sei Struck zu sagen, dass er seinerzeit bei den Verhandlungen zur Partnerschaft mit Gotha die Auflösung der Zentralen Erfassungsstelle für Unrechts- und Gewalttaten in der DDR, in Salzgitter verhindert hat. Alle seine Aktivitäten zum Wohle der Stadt Salzgitter und seiner Bürger wären nicht möglich gewesen, wenn er nicht die Unterstützung seiner Frau Johanna bekommen hätte, Ihr sei an dieser Stelle gedankt. Der Kreisverband des BdV Salzgitter ist stolz darauf, so erfolgreiche und langjährige Mitglieder in seinen Reihen zu haben, das gilt für alle heute geehrte Mitglieder.
Es dürfe nie vergessen werden, dass die Vertriebenen maßgeblich am Aufbau der Stadt Salzgitter beteiligt waren. Es ist wichtig, dass wir unsere Heimat weiterhin im Herzen tragen, betonte Struck in seiner Dankesrede, auch wenn wir zwischenzeitlich einen anderen Lebensmittelpunkt gefunden haben. Struck habe sich auch als SPD Mitglied immer als Vertriebener zu erkennen gegeben, alles war bestimmt durch sein Gewissen. Mit dem Singen heimatlicher Lieder unter der Leitung von Helmut Stippler verlieh der Jahreshauptversammlung und den Ehrungen einen würdigen Rahmen.


Gunter Kostorz


Das obenstehende Foto zeigt:
Hintere Reihe von rechts nach links:
BdV Kreisvorsitzender Detlev Jerke, Gertrud Mahlke, Monika Hanisch, 
Ursula Bolluck, stellv. Kreisvorsitzender BdV Gunter Kostorz.
Vordere Reihe von rechts nach links: 
Helene Heidrich, Ehrenbürger der Stadt SZ, Hermann Struck, 
Edeltraud Dzwiewor, Margarete Kessler.