Berichte und Nachrichten Kreisverband Hildesheim

Bericht über die Schlesienfahrt vom 10. - 19.06.2024

(Peter Winkler, Mitglied im Kreisverband Hildesheim-Marienburg und stv. Vorsitzender im Landesverband) organisiert seit vielen Jahren Reisen nach Schlesien)

Mit großer Freude konnte ich wieder 27 Personen gewinnen, die sich für eine Rundreise durch Schlesien in der schönen Jahreszeit angemeldet hatten. Durch die knappe Hotelkapazität konnten leider nicht mehr mitgenommen werden.
Da wir die ersten drei Nächte in der Grafschaft Glatz, nämlich in Bad Altheide gebucht hatten, ging unsere Anreise durch das Erzgebirge und Prag in die Nähe von Königsgrätz und Trautenau, wo preußische und österreichische Truppen sich 1866 feindlich gegenüberstanden und der Sieg Preußens die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches 1871 ermöglichte.
In Bad Altheide, das wie die anderen Bäderorte der Grafschaft mit gepflegten Kuranlagen sich präsentierten, hatten wir ein Hotel direkt am Kurpark.
Am nächsten Tag besichtigten wir in Bad Reinerz, die 1605 gegründete Papiermühle, in der wir die mühevolle Herstellung von Papier erklärt bekamen und praktisch zusehen konnten, wie Dokumentpapier handgeschöpft mit dem typischen Wasserzeichen entstand.
Anschließend fuhren wir in die Stadt Glatz, gingen über die „kleine gotische Karlsbrücke“ aus dem 14. Jahrhundert, ihrer Art nach der echten Karlsbrücke in Prag empfunden mit diversen steinernen Persönlichkeiten, wie auch dem Nepomuk. Wir sahen das prunkvolle Rathaus aus der Neurenaissance im 17. Jahrhundert mit der Pestsäule.
Hoch über der Stadt ragt die Festung, die ab 1742 durch den Preußenkönig Friedrich d. Gr. als solche ausbauen lies, die aber nur in der napoleonischen Zeit belagert wurde. Es ergab sich von oben einen herrlichen Blick auf die Gebirgszüge, wie das Glatzer Schneegebirge, den Heuscheuer, das Altvater- und Reichensteiner Gebirge. Prunkvoll ausgestaltete Kirchen, wie die barocke Minoritenkirche oder die gotische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt begeisterten. Gern wären wir durch den innerstädtischen Tunnel gegangen, aber unser Zeitplan ließ das nicht zu, denn wir wurden im Gottwaldhaus in Lerchenfeld zu Kaffee und leckerem Mohnkuchen eingeladen. Neben diesen Genüssen konnten wir ein reichhaltiges Heimatmuseum in verschiedenen Häusern besichtigen, dass von einer deutschen heimatverbliebenen Familie zusammen mit Polen als echtes Heimatstübel der Grafschaft sich präsentierte.
Der Tag wurde beendet mit einer Fahrt entlang der Sudetenstraße, also entlang der Grenze in den Bergen zur tschechischen Seite und wir sahen z.B. bei Grunwald die vielen für den Wintersport vorgesehenen Anlagen.

Am 3. Tag stand die Fahrt zuerst nach Neisse auf dem Programm, die Stadt in der der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff seine letzte Ruhestätte fand. Hier konnten wir zuerst in einem Elektrowagen die Innenstadt auf uns wirken lassen, wie den Ring mit dem prachtvollen Neubau der Ratswaage aus dem 17. Jahrhundert sehen, die Stadttore und den „Schönen Brunnen“ des Hofschlossers Wilhelm Hellweg sowie letztlich die riesige Pfarrkirche St. Jakob aus dem Jahr 1392 und dem danebenstehenden unvollendetem Glockenturm.

Von hier ging es nach Oberglogau; wir waren in Oberschlesien und konnten durch den Pfarrer die Pfarrkirche St. Bartholomäus mit der prachtvollen Barockausstattung aus dem 18. Jahrhundert bewundern und hatten die Gelegenheit über den für Schlesien typischen Ringe die große Schlossanlage, ehem. der Familie von Oppersdorff gehörend zu sehen in der Ludwig van Beethoven 1806 seine Vierte Sinfonie in B-Dur dem Grafen Franz Joachim Wenzel von Oppersdorff widmete.
Über Cosel, Krappitz, Hartenau gelangten wir in die ehemalige Regierungsbezirksstadt von Oberschlesien, Oppeln an der Oder. Hier sahen wir den noch vorhandenen Turm des Piastenschlosses, gelangten durch gepflegte Anlagen zum Rathaus inmitten eines Häuserringes mit unterschiedlichen Gebäuden.
Außengastronomie lud herzlich zum Verweilen ein, doch wir hatten dann noch einen weiten Rückweg in unser Hotel in Bad Altheide.
Interessant waren vielfach die zweisprachigen Ortsschilder in den Gemeinden, die bei 25 %iger deutsch sprachigen bzw. fühlenden Bevölkerungsanteile dieses beschließen und umsetzen konnten.

Der nächste Tag brachte uns nach Frankenstein mit dem typischen schiefen Turm, der in der Spitze über 2 m aus der senkrechten Stellung ragt und dem für Schlesien typischen Ring. Ein Teilnehmer, der in der Bundesrepublik Deutschland lebt und den Zusammenschluss der Heimatgruppe fördert, erklärte uns aus eigener Sicht die Stadt, wie dort auch die große Ruine eines Schlosses.

In der Nähe sozusagen auf der vorgesehenen Route lag dann das größte Schloss Schlesiens mit über 400 Zimmern, das Schloss Fürstenstein, dem ehem. Besitz einer der reichsten Familien in Deutschland, den Grafen von Hochberg-Pleß. Da eine Besichtigung den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte, wurde ein Weg gewählt, durch den von alten Bäumen und vielen Rhododendronbüschen bestandenen herrlichen Park zu gehen und die riesige Schlossanlage von weitem komplett zu sehen sowie das neuerdings restaurierte Mausoleum der Familie.
Nächster Punkt war dann Bad Salzbrunn, wo wir das Geburtshaus der Brüder Carl und Gerhart Hauptmann sehen und durch die Wandelhalle und den Kurpark schlendern konnten.

Nunmehr war unser Ziel für drei Nächte Hirschberg als Ausgangsort zum Riesengebirge. Dann war es ja klar, dass die Schneekoppe mit 1.605 m erklommen werden sollte. Es war keine leichte Aufgabe, aber uns half eine Gondelbahn von Petzer aus, die Koppe direkt zu erreichen. Ein herrlicher Blick ins schlesische Land, aber auch über die Wanderwege wurde uns gegönnt. Wir sahen den großen Teich, die Wiesenbaude, das Schlesierhaus, den Riesen- und Melzergrund und die Städte und Orte am Fuß dieses Berges. Auf dem Rückwege machten wir Halt in Harrachsdorf bei einer Glasbläserei und genossen dann in Hirschberg als Spazierweg die Fußgängerzone von der Gnadenkirche bis zum Rathaus und den schön renovierten Laubengängen an allen vier Seiten.

Am 6. Tag fuhren wir zur Friedenskirche nach Jauer, eine Kirche, die, wie eine ähnliche in Schweidnitz, auf der Weltkulturliste der UNESCO stehen. Sie durften nach Beendigung des 30-jährigen Krieges nur außerhalb der Orte innerhalb eines Jahres errichtet werden und nur aus Holz und Lehm gebaut und keinen Glockenturm haben.
Aus jeweils 4 Emporen mit unterschiedlichen kirchlichen und weltlichen Bildern an den Wänden fassen die Kirchen jeweils rund 3.500 – 4.000 Gläubige.
Beeindruckt von diesem Anblick kamen wir dann nach Liegnitz, dem ehem. Sitz der Regierung für ganz Niederschlesien und erhielten dann vom Verfasser dieses Berichtes eine Kurzbesichtigung der Innenstadt, wie dem Piastenschloss, den ehemaligen Stadttoren, den innerstädtischen drei Zweitürmigen Stadtkirchen und den Ringen.
Weiteres Ziel war dann die zweitgrößte Klosteranlage in Europa, das ehemalige Kloster Leubus an der Oder, gegründet von Mönchen aus Pforta an der Saale und damit begann die friedliche Besiedlung Schlesiens nach der verheerenden Schlacht gegen die Mongolen 1241 bei Wahlstatt mit Deutschen aus Franken, Thüringen usw. Gleichzeitig diente es als erstes Kloster für die folgenden zu bauenden Klöster in Schlesien. Herrliche Deckengemälde und Skulpturen von Michael Willmann waren in zwei Räumen zu bewundern, sonst aber konnten die Verwüstungen z.B. in der Kirche durch die Soldaten im II: Weltkrieg hautnah noch immer gesehen werden.
Am nächsten Tag fuhren wir an einigen Schlössern des Hirschberger Tales vorbei und erfuhren ihre Bedeutung, meist durch die Nutzung der Familien von Hohenzollern, wie Erdmannsdorf, später Zillerthal-Erdmannsdorf durch die Aufnahme der Flüchtlinge aus Tirol so genannt, Lomnitz, Schildau, aber auch Stonsdorf, aus dem der immer noch bekannte Kräuterlikör seinen Ursprung hat.

Weiter ging es durch Krummhübel mit dem Ziel der Besichtigung der prunkvoll ausgerichteten 2. Friedenskirche jetzt in Schweidnitz mit der Loge des Fürstengeschlechts Hochberg-Pleß.
Das in der Nähe liegende, ehemalige Gut der Familie von Moltke, dem Sitz des Widerstandskreises gegen das NS Regime, wurde selbstverständlich aufgesucht, das heute eine deutsch- polnische Jugendbildungsstätte ist, nachdem dort nach der politischen Wende 2014 die Versöhnungsmesse und infolge dessen die Umarmung des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki stattfand.
Weiters Ziele war dann Leuthen, bekannt durch den Sieg König Friedrichs II. 1757 während des Siebenjährigen Krieges gegen Österreich  sowie die nahe liegende ehem. Kreisstadt Neumarkt. 

Was lag dann näher als in die alte Landeshauptstadt Breslau, schlesisch Gruß Brassel zu fahren.
Eine Stadtbesichtigung per Bus und zu Fuß waren selbstverständlich, wie die Jahrhunderthalle zu sehen, die 1913 zu Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 von Max Berg errichtet wurde, das Olympiastadion, die Dominsel mit seinen vielen Kirchen wie dem Dom selbst, der Kreuzkirche, der Sandkirche, Ägidienkirche und dann die Universität und dem großen Ring mit seinen herrlichen Bauten und inmitten das alte Rathaus.
Es bestand ausreichend Zeit sich alles anzusehen, die Stadt zu genießen wie auch eine Fahrt auf der Oder und das bunte Treiben der Menschen bis in die späte Nacht zu verfolgen.

Neben den Besichtigungen waren die Gespräche innerhalb der Gruppe inhaltsreich, aber auch die Ausführungen der beiden polnischen Reiseleiter, eben nicht nur zu den besuchten Orten, sondern auch zum Leben vor Ort und den sehr stark bestehenden, ja fast unüberbrückbaren Spannungen innerhalb der politischen Parteien, die ja sogar das katholische Kirchenleben beeinflusst.

Voll mit vielen Eindrücken, bei besonders den Tageszielen geeignetem Wetter ging auch diese Reise
durch Schlesien für alle wohl befindlich zu Ende, was auch der Geheime Rat Goethe nach seinen Reisen durch Schlesien schon damals sagte und empfand, „Schlesien - das zehnmal interessante Land“.

Peter Winkler

20240614_121620 (002)Winkler-Schl (1000pixel).jpg
Reisegruppe auf der Schneekoppe
08-1_Schuette_MV-HI (1000pixel).jpg
Reisegruppe vor dem Herrenhaus von Moltke in Kreisau

Bericht des BdV Kreisverband Hildesheim-Marienburg

Am 10.04.2024 fand die planmäßige Delegierten- bzw. Mitgliederversammlung des Kreisverbandes im Hotel Osterberg in Hildesheim-Himmelsthür statt.
Neben den üblichen Regularien einer solchen Sitzung, der Bekanntgabe der nächsten Termine auch des BdV Landesverbandes fanden die alle 2 Jahre notwendigen Wahlen statt. Unter der Leitung des Gastes Gerhard Schütte wurde der gesamte Vorstand wie folgt neu gewählt bzw. bestätigt.
Kreisvorsitzender Manfred Richter
1. Stellvertreter Peter Winkler
2. Stellvertreter Siegfried Schramm
Geschäftsführer Paul Dittrich
Protokollführer Hans-Jürgen Degner
Kassenwart Paul Dittrich
Beisitzerin Eva Zachlod
Kassenprüfer/in Elke Schmidt und Kurt Kunze
Delegierte für die Landesversammlung sind Manfred Richter, Hans-Jürgen Degner, Kurt Kunze, 
Paul Dittrich sowie Eva Zachlod.

Als Gast war der ehemalige Vorsitzende des Kreisheimatbundes im Landkreis Hildesheim Gerhard Schütte aus Algermissen gekommen, der in einem Referat seine Eindrücke als Heimatverbliebener wiedergab, als in sein Heimatdorf Algermissen plötzlich die vielen Heimatvertriebenen kamen.

Wie reagierten die Erwachsenen, die Kinder, wie ging man miteinander um.
Für beide Seiten war es eine schwere, heute fast nicht mehr nachvollziehbare Zeit. Für die Heimatvertriebenen, die alles verloren hatten und mittellos oft nach Wochen hier ankamen und für die Heimatverbliebenen, die überflutet wurden mit neuen, kaum zu lösenden Aufgaben.
Es kamen ja Deutsche zu Deutschen und es musste ein gemeinsamer Weg gesucht und letztlich gefunden werden.

Ein leckeres gemeinsam eingenommenes Mittagessen rundete diese erfolgreiche Sitzung ab.
Peter Winkler, Stellvertreter

70 Jahre BdV Rössing

Unter dem Leitwort 70 Jahre in Rössing beging die Ortsgruppe des Bundes der Vertriebenen in Rössing das Jubiläum.

Neben einem abwechslungsreichem Programm waren eine kleine Ausstellung mit Karten, Modellen und Präsentation umfangreicher Literatur sowie ein Sektempfang angeboten.

Außer den Mitgliedern waren die Vertreter der Rössinger Vereine und Verbände erschienen, sowie die Landesvorsitzende Editha Westmann, MdL, die stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Nordstemmen Dr. Cornelia Ott sowie der Ortsbürgermeister aus Rössing Ernst Baumgarten, die Grußworte überbrachten sowie Michael Husmann, als Vorsitzender des Kulturkreises, der zusätzlich reichlich „Flachgeschenke“ der Vereine und Verbände übergab.

Die Feierstunde wurde musikalisch gekonnt umrahmt von Christoph Klöhn aus Rössing am Cello mit seiner Tochter Angela an der Harfe.

Durch die persönliche Begrüßung und die einführenden Worte durch den Vorsitzenden Hans-Jürgen Degner sowie den Dankesworten durch seinen Stellvertreter Kurt Kunze hielt Peter Winkler die Festansprache.
Grundtenor seiner Worte waren, dass aus einem sehr schweren „ankommen“ der Vertriebenen und der Flüchtlinge im Laufe der Zeit ein „angekommen“ sich vertrauensvoll entwickelt hat und beide Seiten sich gegenseitig unterstützt haben, um ein Gemeinwohl, wie wir es heute vorfinden, zu schaffen.

Winkler wies ferner daraufhin, das es Aufgabe aller Deutschen ist, das reichliche Kulturerbe aus den Vertreibungsgebieten in der Erinnerung zu erhalten.

201909_70jahre_buecher.jpg
201909_70jahre_westmann.jpg