Zum Weltfrauentag 2021 von Editha Westmann mit Kommentar von Dr. Maria Werthan, Präsidentin des Frauenverbandes im BdV

Aus dem Büro der Niedersächsischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, Editha Westmann MdL, zum Internationalen Frauentag am 08.03.2021

LEISTUNG DER HEIMATVERTRIEBENEN FRAUEN IST BESONDERER ERINNERUNG WERT

Am 8. März wird in vielen Teilen der Welt dazu aufgerufen, die Rechte der Frauen zu stärken.
Die Niedersächsische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Editha Westmann MdL, möchte in diesem Zusammenhang auf das Schicksal der Frauen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufmerksam machen: „Ein Dreivierteljahrhundert nach Flucht und Vertreibung können sich heute bei uns viele Menschen kaum mehr vorstellen, was jene Ereignisse in der Wirklichkeit bedeuteten. Die überlebenden Frauen haben später nur im engsten Familienkreis davon erzählt. In der Öffentlichkeit schien es ihnen zu schwer, die richtigen Worte oder ein offenes Ohr zu finden.“
Vom Flucht- und Vertreibungsgeschehen waren die Frauen unmittelbarer betroffen, da ihre Männer zur Armee eingezogen, gefallen oder in Kriegsgefangenschaft geraten waren. Bei Schnee und Eis mussten die Frauen mit ihren Kindern und eigenen Eltern flüchten, wurden in den Trecks und bei der Evakuierung über die Ostsee von Tieffliegern und U-Booten beschossen oder vielfach vergewaltigt und in ihrer Heimat interniert und entrechtet. Hunderttausende Frauen wurden in die Sowjetunion verschleppt und teilten dort das Deportationsschicksal der Deutschen aus Russland. Getrennt von Angehörigen und ohne Nachrichten, hielten die Frauen Kälte, Hunger, Gewalt und Hoffnungslosigkeit aus. Viele von ihnen gaben ihr Letztes, um ihre Kinder am Leben zu halten. Nach Zwangsarbeit und Vertreibung reihten sie sich in das Heer der Trümmerfrauen ein und wirkten am Wiederaufbau Westdeutschlands und der DDR mit. Mit ihrer Ausdauer, Leistungsfähigkeit und Klaglosigkeit trugen die heimatvertriebenen Frauen wesentlich zum Wirtschaftswunder in der jungen Bundesrepublik bei.
Der mörderische Zweite Weltkrieg ist von Deutschland ausgegangen. Zu differenzieren heißt allerdings, auch daran zu erinnern, dass Millionen deutsche Mädchen und Frauen östlich von Oder und Neiße und in Südosteuropa ein besonders hartes Kriegsfolgenschicksal erlitten haben. Die deutsche Bundesregierung ist ihrer Verantwortung inzwischen gerecht geworden und hat den einstigen Zwangsarbeiterinnen eine Anerkennungsleistung ausgezahlt. Damit ist das Thema aber nicht abgeschlossen. „Wir benötigen eine größere Sensibilität bei der psychosozialen Versorgung der hochbetagten Zeitzeuginnen, welche sich nur durch eine besondere Schulung des ärztlichen und pflegerischen Personals erreichen lässt. Außerdem brauchen wir mehr Forschung, um Weiteres über die Auswirkungen von Flucht, Deportation und Vertreibung auf das Schicksal von Familien, Kindern, Enkeln und Urenkeln zu erfahren. Angesichts der vielen Flüchtlinge weltweit ist dieser Wissensbedarf aktueller denn je. Der Weltfrauentag bietet einen guten Anlass, hierüber nachzudenken“, so die Landesbeauftragte Editha Westmann.

Dazu ein Kommentar von Maria Werthan:

Im Sinne von Frau Westmann erinnern wir heimatvertriebenen Frauen an den heutigen Welt Frauentag. Wir gedenken der Frauen, die für unser Land Frieden, Demokratie und Wohlstand gesichert haben. Wir zollen den Frauen Anerkennung, die die Gegenwart und die Zukunft verantwortungsvoll gestalten. Wir denken besonders an diejenigen Frauen, die heute unserer Unterstützung bedürfen, weil sie ihrer Freiheit und ihrer Gestaltungsmöglichkeiten beraubt sind.
Der Frauenverband im BdV e.V. stellt fest, dass Frauen während Flucht und Vertreibung den Geschehnissen schutzlos ausgeliefert sind und langanhaltende Verletzungen und Traumatisierungen mit sich tragen. Die Traumata werden oft auf die Kinder, Enkel und Urenkel übertragen.
Deswegen sind eine Aufarbeitung und Erforschung der Flucht, Deportation und Vertreibung dringend geboten. Der Frauenverband beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Auswirkungen der traumatischen Fluchterlebnisse von Frauen. Im Wissen um die Bedeutung der Trauma Forschung unterstützen wir die Forderung von Frau Editha Westmann, MdL und Landesbeauftragten für Heimatvertriebene, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler für Niedersachsen. Wir Frauen im Frauenverband im Bund der Vertriebenen betrachten dieses Ansinnen als aktuellen Auftrag.
 

Wir erinnern uns: Flucht und Vertreibung aus Schlesien

Vor Kriegsbeginn 1939 lebten rund 4,6 Millionen Menschen im etwa 40.000 qkm großen Schlesien. Als die sowjetischen Streitkräfte im Januar 1945 die Grenze zu Schlesien überschritten, begann für Millionen Schlesier bei eisiger Kälte die Zeit der Flucht. Offiziell „evakuiert“ werden durften nur Frauen, Kinder und alte Menschen. Bei Minustemperaturen ließ der NSDAP-Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke, etwa 60.000 Frauen und Kinder aus Breslau verjagen, weil die Stadt zur „Festung“ ausgebaut werden sollte. Die Evakuierung bzw. Flucht der schlesischen Bevölkerung verlief in aufeinanderfolgenden Wellen, die, vom Vordringen der sowjetischen Streitkräfte bestimmt, jeweils verschiedene Landesteile ergriffen. Etwa 1,6 Millionen flohen zunächst ins Sudetenland, weitere 1,6 Millionen weiter nach Westen.

Die Flüchtenden gerieten oft zwischen die Fronten und in die Kampfhandlungen. Vielfach überrollte die rasch vorrückende Rote Armee die Trecks. Zehntausende Flüchtlinge starben an Kälte und Hunger oder wurden von sowjetischen Truppen misshandelt, vergewaltigt oder ermordet. Nach Abschluss der Kampfhandlungen versuchte eine große Zahl der geflohenen Schlesier wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Aus den Sudetengebieten schätzt man die Zahl der Rückkehrer auf rund 800.000, aus den westlichen Reichgebieten auf etwa 200.000.

Obwohl bis zum Beginn der Potsdamer Konferenz (17. Juli – 2. August 1945) eine Regelung über den Verbleib der deutschen Bevölkerung in Schlesien noch ausstand, begannen bereits im Frühjahr 1945 die sogenannten „wilden Vertreibungen“, die von polnischen Stellen organisiert wurden. Die hierzu erlassenen Bierut-Dekrete ermöglichten die Einziehung des gesamten beweglichen und unbeweglichen Eigentums von Personen deutscher Nationalität oder Staatsbürgerschaft zugunsten des polnischen Staates. Im Juni 1945 wurden alle Deutschen aus einem Gebietsstreifen von etwa 30 Kilometer Breite unmittelbar östlich der Lausitzer Neiße vertrieben. Aufgrund der Potsdamer Beschlüsse begann ab 1946 eine systematische Vertreibung der verbliebenen deutschen Bevölkerung, die bis 1947/48 andauerte. Das Eigentum der geflüchteten und vertriebenen Deutschen wurde im Jahre 1946 durch zwei polnische Dekrete als „verlassenes bzw. herrenloses Gut“ entschädigungslos konfisziert.

Die Gebiete Schlesiens, die bis zum Münchner Abkommen von 1938 Bestandteil der Tschechoslowakei gewesen waren, also Gebiete des früheren Österreichisch-Schlesien, aber auch das Hultschiner Ländchen, fielen 1945 an die wiedererstehende Tschechoslowakei. Die deutsche Bevölkerung wurde auch hier mehrheitlich vertrieben.

Die Zahl der Toten bei der Flucht und Vertreibung aus Schlesien ist nicht exakt bekannt. Ausweislich der „Gesamterhebung zur Klärung des Schicksals der deutschen Bevölkerung in den Vertreibungsgebieten“ (München, 1964) sind 51.926 namentlich bekannte Schlesier (ohne Breslau) nachweislich „bei und als Folge der Vertreibung“ ums Leben gekommen, einschließlich 2.308 Suizide. Hinzu kommen 210.923 namentlich bekannte „ungeklärte Fälle“, davon 93.866 mit Vermisstenhinweis und 48.325 mit Todeshinweis. Für Breslau, das gesondert erfasst wurde, betragen die Zahlen: 7.488 nachweislich Umgekommene, davon 251 Suizide. 89.931 namentlich bekannte ungeklärte Fälle, davon 37.579 mit Vermissten- und 1.769 mit Todeshinweis (Band II, S. 456 der Gesamterhebung). Von den Oberschlesiern sind 41.632 nachweislich umgekommen, davon 302 durch Suizid. Von den 232.206 namentlich erfassten ungeklärten Fällen lag für 46.353 ein Vermissten- und für 2.048 ein Todeshinweis vor. Dies ergibt eine Gesamtzahl von 634.106 geklärten Todes- und ungeklärten Vermisstenfällen im Zusammenhang mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Schlesien. Bezogen auf eine Gesamtzahl von 4.592.700 Einwohnern (Volkszählung 1938) ergibt dies einen Bevölkerungsverlust durch geklärte Todes- und ungeklärte Vermisstenfälle von 13,8 % der Gesamtbevölkerung. Rechnet man aus den 4.592.700 Einwohnern noch die bereits im Krieg umgekommenen und die im Kriegsverlauf geflohenen Einwohner heraus, so liegt der prozentuale Anteil noch weit höher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg behandelten die Alliierten auf der Potsdamer Konferenz Deutschland in den Grenzen von 1937. Das östlich der Oder-Neiße-Linie gelegene Gebiet der Provinz Schlesien wurde 1945 offiziell unter polnische Verwaltung gestellt. Entsprechend der getroffenen Vereinbarung sollte die endgültige Festlegung der Grenze zwischen dem vereinten Deutschland und Polen einer abschließenden Friedenskonferenz vorbehalten bleiben. Erst der am 12. September 1990 unterzeichnete „Vertrag über die abschließenden Regelungen in Bezug auf Deutschland“ (Zwei-plus-Vier-Vertrag) legt die bestehenden Grenzen endgültig fest. Das vereinigte Deutschland verpflichtete sich im Zuge der staatlichen Vereinigung, keine Gebietsansprüche auf die seit dem Zweiten Weltkrieg de facto, jedoch nicht völkerrechtlich zu Polen und der Sowjetunion gehörenden Gebiete des Deutschen Reiches östlich der Oder-Neiße-Linie zu erheben. Die DDR hatte sie bereits 1950 im Görlitzer Abkommen als „Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen“ anerkannt und als „unantastbare Friedens- und Freundschaftsgrenze“ bezeichnet.

Quelle: https://landsmannschaft-schlesien.de/flucht-und-vertreibung-1945-1947/

Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen:

Fortsetzung der Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte“ am 25. Februar mit Übertragung auf YouTube

Die im Oktober 2020 von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) durchgeführte internationale Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte unter besonderer Berücksichtigung der Länder in Mittel- und Mittelosteuropa“ stieß bei den Teilnehmenden auf großes Interesse. Daher haben sich die Kulturstiftung und die FUEN für eine Fortsetzung der Konferenz als Tagungsreihe im Frühjahr 2021 entschieden.

Aufgeteilt auf drei Konferenztage soll ein Gesamtbild des Minderheitenschutzes und der Volksgruppenrechte in neun weiteren ausgewählten Staaten durch Fachbeiträge von Politik und Wissenschaft aus der Perspektive von Theorie und Praxis dargestellt werden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Ländern Mittel- und Mittelosteuropas liegt.

Die Konferenzreihe wird jeweils an einem Tag am Ende der Monate Februar, März und April 2021 durchgeführt werden und jeder Konferenztag drei Länderberichten gewidmet sein. Thematisch werden sich die Länderberichte auf die Schwerpunkte Bildungssituation, politische Teilhabe und Zugang zur Minderheitensprache fokussieren.

Den Anfang machen am 25. Februar 2021 die Länder Österreich, Italien und Tschechische Republik.

Ende März folgen die Länder Ungarn, Slowakei und Kroatien und am abschließenden Konferenztag Ende April stehen Estland, Bulgarien und Ukraine im Mittelpunkt.

Die Fachreferate und Debatten werden live auf dem YouTube-Kanal der FUEN übertragen und anschließend dort und auf dem YouTube-Kanal der Kulturstiftung abrufbar bleiben.

FUEN: https://bit.ly/3ky0dZl

Kulturstiftung: https://www.bit.ly/kulturstiftungvideo

Weitere Informationen und das aktuelle Tagungsprogramm finden Sie auf der Tagungsseite: https://minorityconf.org

Hier haben Sie eine Programmübersicht als Pdf

Aufruf 75 Jahre Kriegsende von Editha Westmann MdL und Ihrer Länderkollegen aus München – Wiesbaden –Düsseldorf – Dresden in ihrer jeweiligen Eigenschaft als Landesbeauftragte für Heimatvertriebene.

  • Hier finden Sie als Pdf den Aufruf 75 Jahre Kriegsende:WIR ERINNERN AN FLUCHT UND VERTREIBUNG DER DEUTSCHEN AUS DEM OSTEN von Editha Westmann MdL und Ihrer Länderkollegen aus München – Wiesbaden –Düsseldorf – Dresden in ihrer jeweiligen Eigenschaft als Landesbeauftragte für Heimatvertriebene.

Bericht über Verleihung der Ehrenmedaille an Bundespräsident Gauck und Bundesversammlung in Berlin am 29.11.2019

Ende November trafen sich die Delegierten des BdV zu ihrer Bundesversammlung in Berlin. Für den Landesverband Niedersachsen waren Editha Westmann und Michael Gediga nach Berlin gereist.  Bevor die Sitzung begann, stand eine besondere Ehrung an.

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck erhielt die höchste Auszeichnung, die Ehrenplakette, des BdV.
Er hatte sich schon früh für die Belange der Heimatvertriebenen eingesetzt. Sichtlich bewegt nahm Herr Gauck die Ehrung entgegen. Gauck betonte in seiner Ansprache, dass durch die Vertriebenen unendlich viele Begegnungen mit den Nachbarn im östlichen Europa stattgefunden hätten, um einander wahrzunehmen und zu verstehen. „Wir sollten denen dankbar sein, die trotz persönlicher Kränkungen stets an der Versöhnungsarbeit festgehalten haben“, so Gauck. Der BdV müsse auch weiterhin dafür eintreten, dass das kollektive Gedächtnis um Flucht und Vertreibung wachgehalten werde, denn von selbst würde das nicht passieren.

Im Anschluss an die Ehrung eröffnete Fabritius die Bundesversammlung. Sein umfangreicher Bericht skizzierte die Arbeit des BdV des letzten Jahres und zeigte Möglichkeiten für eine zukunftsgerichtete Strukturveränderung auf, über die der BdV im kommenden Jahr intensiv beraten müsse.

Fabritius hob hervor, dass die Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel zum elften Mal in Folge an dem Jahresempfang 2019 des BdV teilgenommen habe.

Der Tag der Heimat 2019 stand unter dem Motto „Menschenrechte und Verständigung – Für Frieden in Europa“. Die Veranstaltung in Berlin sei auch in diesem Jahr hervorragend besucht gewesen. Die beeindruckende Ansprache von Armin Laschet, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen, sei sehr gut bei den Gästen angekommen.

Fabritius berichtete über seine umfangreichen Reisen ins In- und Ausland, seine vielfältigen Gespräche und sein Engagement, die Interessen des BdV gegenüber der Politik zu vertreten. Die berechtigte Forderung nach einer Rentengerechtigkeit für Spätaussiedler sei noch immer nicht umgesetzt. Fabritius erklärte, er werde sich mit Nachdruck auch weiterhin im politischen Raum für dieses Thema einsetzen und bat die Landesverbände, sich dieser Forderung ebenfalls weiterhin zu widmen.

Im April 2020 soll eine 2-tägige Klausurtagung des BdV Bundesausschusses stattfinden, um die aktuellen Aufgaben des BdV in eine zielführende Strukturanpassung einzubetten. Fabritius hob hervor, dass der BdV natürlich weiterhin der wichtigste und anerkannteste Brückenbauer zu unseren östlichen Nachbarn sei. Die Bewahrung der Erinnerung an das Vertreibungsschicksal und zum Erhalt des kulturellen Erbes der Vertriebenen müsse auch zukünftig im Fokus des BdV stehen.
Es sei wichtig in Bund und Ländern immer wieder auf die sich aus dem BVFG ergebende Verantwortung hinzuweisen.

Künftig werde der BdV darüber zu entscheiden haben, wie Zusammenschlüsse von Orts- und Kreisverbänden bis hin zu Landesverbänden aussehen könnten.

Fabritius bedankte sich bei allen, die bisher konstruktiv an der Strukturdebatte teilgenommen haben. Er rief dazu auf, Vorschläge zu einer möglichen Strukturanpassung umgehend an die Bundesgeschäftsstelle zu richten.
Gegenseitige Solidarität sei unumgänglich, um weiterhin schlagkräftig agieren zu können. Daher sollten die Landsmannschaften und die BdV-Verbände aufeinander zugehen.

Fabritius warb für den Erhalt und die Vermittlung von ostdeutschen Dialekten und für den stetigen Austausch und die Partnerschaft zu den deutschen Heimatverbliebenen! Der BdV müsse sich weiterhin durch positive Nachrichten Gehör in der Gesellschaft verschaffen. Man müsse wieder selbstbewusster an sich glauben!

Im Rahmen der Bundesversammlung wurden vier Anträge beraten:

  1. Nachteile für Aussiedler und Spätaussiedler im Rentenrecht beseitigen – Generationengerechtigkeit herstellen
  2. Kulturarbeit der Vertriebenen weiter stärken
  3. Wissensvermittlung zu Flucht und Vertreibung verbessern
  4. Sonderbriefmarke zu 75 Jahre Flucht und Vertreibung veröffentlichen

Die Anträge 1.,2.,3. wurden einstimmig angenommen. Antrag 4. wurde mit kleinen Änderungen angenommen.

Editha Westmann
 

Bundespräsident a.D. Gauck bei seiner Rede
Bundespräsident a.D. Gauck mit Editha Westman
Frau Schadt, Frau Westmann und Frau Ribsam
Editha Westmann mit BdV Präsident Dr. Fabritius
Editha Westmann während der Aussprache über den Berichts des BdV Präsidenten

Seminarreise nach Danzig, die Kaschubei und zur Marienburg

Ende Oktober besuchte der BdV-Landesverband Hessen im Rahmen einer verständigungspolitischen Reise dort verbliebene Deutsche Minderheiten und Volksgruppen. Danzig war zwischen 1920 und 1939 als Freie Stadt ein unabhängiger Staat, getrennt vom Deutschen Reich und stand unter Aufsicht des Völkerbundes. Die Nogat bildete die Grenze zwischen der Freien Stadt Danzig und dem Deutschen Reich. Direkt auf der anderen Seite der Nogat liegt die Marienburg, die vom Deutschen Ritterorden ausgebaut wurde. Die pommerschen Landkreise der Kaschubei gehörten weiterhin zum Deutschen Reich. Teil des Gebietes ist die „Kaschubische Schweiz“, eine hügelige Seenlandschaft. Die Kaschuben sind in Polen als eine autochthone, kulturell-ethnische Minderheit anerkannt.

Michael Gediga


Marienburg als Beleg für deutsch-polnische Geschichte

Verständigungspolitische Seminarreise führte nach Danzig und in die Kaschubei
 

Der Bund der Vertriebenen in Hessen unternahm kürzlich unter Leitung des BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann (Lauterbach) die letzte der drei verständigungspolitischen Seminarreisen in diesem Jahr. Es ging in die ehemalige preußische Hansestadt Danzig und in die angrenzende Kaschubei. Ein Besuch durch diesen Teil Polens ist selbstverständlich immer eine Reise durch die deutsch-polnische Geschichte mit allen ihren Konflikten, zeitweilig aber auch geprägt von friedlicher Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen. Und ständig wird man erinnert an den deutschen Ritterorden, der hier vor Jahrhunderten sehr viel geschaffen hat, was heute nach totaler Kriegszerstörung restauriert wieder besichtigt werden kann. Dafür ist beispielhaft die mächtige Marienburg, die 1945 zu 60 Prozent zerstört war. Als größter Backsteinbau Europas und UNESCO-Weltkulturerbe steht sie jetzt wieder rekonstruiert in alter Pracht da. Die Seminarteilnehmer waren von diesem imposanten Bauwerk sehr beeindruckt und erlebten das großräumige Schlossareal mit allen Einzelheiten und interessanten Dauerausstellungen bei einem Rundgang recht bequem per modernem Audioguide-System. Anschließend referierte Kuratorin Kazimierz Bogusz noch über den aktuellen Denkmalschutz und die Pflege der europäischen Kulturgüter in Polen. Diese gotische Ordensburg belegt übrigens besonders eindrucksvoll die über sieben Jahrhunderte deutscher und polnischer Geschichte.

Der einwöchige Aufenthalt in Danzig machte es den 40 Seminarteilnehmern aus allen Teilen der Bundesrepublik auch möglich, die wieder aufgebaute Stadt und ihre Historie ausgiebig kennenzulernen. Dazu gaben die Ausführungen der städtischen Angestellten Jolanta Murawska beim Empfang der Gruppe im Neuen Rathaus von Danzig einige Tipps. Die obligatorische Stadtführung führte alsdann zu den bekannten Bauwerken und Plätzen wie das Krantor, das Grüne Tor, das Altstädtische Rathaus, die Frauengasse und den langen Markt. Überwältigend sind die vielen Kirchen, wie u.a. die Marienkirche als größte Bachsteinkirche nördlich der Alpen. Besonders auffallend ist auch die Sauberkeit und der Glanz der Altstadt, denn es gibt hier so gut wie keine Graffiti-Schmierereien an Gebäuden, nicht an Häusern, nicht an Mauern, Denkmälern und den zahlreichen Brücken. Was hier die Einwohner Stein auf Stein aus den Ruinen wieder liebevoll aufgebaut haben, ist einfach überwältigend. Und die Polen sprechen heute auch bereitwillig über die gemeinsame Geschichte, die sie mit den Deutschen in Danzig und anderswo verbindet. Das war nicht immer so. Denn hier hatte bekanntlich mit der Beschießung der Westerplatte durch das deutsche Schul- oder Schlachtschiff „Schleswig-Holstein“ am 1. September 1939 der unsägliche Zweite Weltkrieg begonnen, der Millionen Menschen den Tod, aber auch Flucht und Vertreibung brachte. Dieser Überfall war ein Verbrechen, die nach dem verheerenden Krieg erfolgte Vertreibung aber auch, wenngleich man beides nicht miteinander vergleichen darf.  Darüber offen und vorurteilsfrei zu sprechen, war nach Ansicht von Seminarleiter Siegbert Ortmann auch Gegenstand dieses 7-tägigen Seminars aus der Reihe „Begegnung und Verständigung“ mit dem Zusammenwirken in der Geschichte als Grundlage für das Zusammenleben in der Gegenwart. Und insoweit spiele heute in einem Europa ohne Grenzen, eigentlich nur noch historisch eine Rolle, wer wann hier war, und wem einst was gehörte.

Weitere Anlaufstellen bei der Reise waren die Hafenstadt Gdingen mit dem sehenswerten Emigrationsmuseum, die ehemalige Zisterzienserabtei Oliwa mit der berühmten Orgel in der prächtigen Kathedrale sowie der Badeort Sopot mit der überdimensional langen hölzernen Seebrücke. Diese Orte, unmittelbar nördlich von Danzig gelegen, bilden übrigens zusammen die sogenannte Dreistadt, die sich über rund 45 km entlang der polnischen Küste erstreckt und rd. 750.000 Einwohner zählt.

Und ein anderer Schwerpunkt der Reise war schließlich der Besuch des Siedlungsgebietes der Kaschuben mit seinem Kerngebiet, der sog. Kaschubischen Schweiz. Dieses Gebiet westlich von Danzig wurde auch berühmt durch die „Blechtrommel“ des Danziger Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass. Die Sprache ihrer rd. 53.000 Bewohner wird inzwischen als eigenständig westslawisch anerkannt und hat in Polen den Status einer Regionalsprache, die seit den 1990er Jahren in Schulen unterrichtet wird. Die kaschubische Kulturpflege wird in dem ebenfalls besuchten Zentrum für Bildung und Förderung der Region „Szymbarki-Wald“ auf einzigartige Weise dargestellt und gilt damit als besondere touristische Attraktion. Mehr über diese Region erfuhren die Seminarteilnehmer schließlich bei einem Vortrag zum Thema „Die Kaschuben- Wurzeln der kaschubischen Sprache und Identität“ von Elzbieta Kuzmiuk, Mitglied der Kaschubisch-Pommerschen Vereinigung in Karthaus.

Selbstverständlich stand bei diesem verständigungspolitischen Seminar auch ein Besuch beim örtlichen Bund der Deutschen Minderheit in Danzig auf dem Programm. Ihr Vorsitzender Roland Hau und seine Begleiter empfingen die Gäste im eigenen Vereinsheim zu einer sehr interessanten Begegnung mit Jung und Alt. Dabei erinnerten zwei ältere Damen recht emotional, dass ihnen ihre Zugehörigkeit zur deutschen Kulturnation nach dem 2. Weltkrieg mitunter unsägliches Leid eingebracht habe, sie aber trotzdem an ihrer schicksalhaften Verbundenheit mit Deutschland festgehalten hätten. Diese bewegenden Worte untermauerten eindrucksvoll das zuvor abgehaltene kurze Totengedenken der Seminarteilnehmer bei einem Gedenkstein auf dem Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe in Danzig, der an alle Deutschen, die früher in Danzig gelebt haben, erinnert.

Siegbert Ortmann
 

Das Krantor in Danzig an der Mottlau (Foto: mjg)
Gruppe im neuen Rathaus von Danzig (Foto: mjg)
Restauriertes Danzig: Rechtsstädtisches Rathaus, Artushof(rechts) (Foto: mjg)
Kamin im Artushof (Foto: mjg)
Kaschubisches Freizeitzentrum Szymbarski mit alter Notentafe (Foto: mjg)
Kaschubische Schweiz (Foto: mjg)
Marienburg am Ufer der Nogat (Foto: mjg)
Marienburg als größte Backsteinburg (Foto: mjg)

Tag der Heimat 2019 in Korbach

Der BdV-Kreisverband Waldeck-Frankenberg e.V. hatte in diesem Jahr Editha Westmann, BdV-Landesvorsitzende Niedersachsen, als Rednerin zum „Tag der Heimat“ nach Korbach eingeladen. Der Kreisvorsitzende Günter Krause freute sich sehr über die Teilnahme von Editha Westmann, die ihre Ansprache unter das Jahresmotto „Menschenrechte und Verständigung – Für Frieden in Europa“ stellte. Editha Westmann: „Unser Jahresmotto ist für mich die Bekräftigung unserer Charta. Es muss den Verantwortlichen bereits 1950 klar gewesen sein, wie unendlich wichtig ein geeintes Europa ist, wie unerlässlich ein friedliches Miteinander ist und wie kostbar der Frieden ist.“

Musikalisch wurde die Gedenkfeier begleitet von der Blaskapelle Brückenort/Oberschlesien.
 

Editha Westmann mit den Vorstandsmitgliedern des Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg e.V.

Seminarreise Vojvodina (deutsch Wojwodina)/Nordserbien und südliches Ungarn

Im September 2019 fand eine Seminarreise des DEBW Hessen mit Förderung durch das BMI in die Vojvodina mit der Hauptstadt Novi Sad (Neusatz), der zweitgrößten Stadt Serbiens, und nach Südungarn mit Baja (deutsch: Frankenstadt, hier Besuch der größten Deutschen Auslandsschule mit 16 aus Deutschland abgeordneten Lehrkräften) und Szeged statt. Das sind Gebiete des früheren Habsburgerreiches und bekannt durch die Besiedlung mit den Donauschwaben. Es gibt auch in Serbien eine anerkannte deutsche Minderheit von ca. 6 Tsd.. Im Vergleich zu den sich als deutsch bezeichneten Ungarndeutschen von über 150 Tsd. (nationale Zugehörigkeit Deutsch und Ungarn, die Deutsch als Muttersprache angeben) sind das weniger. Da Serbien nicht EU-Mitglied ist (seit 2014 laufen Beitrittsverhandlungen) und somit auch nicht dem Schengen Raum angehört, konnte man den Grenzübertritt von Serbien nach Ungarn und auch umgekehrt  als „Abenteuer“ längst vergangen geglaubter Reisezeiten ansehen.

Nachstehend ein Bericht des Deutsch-Europäischen-Bildungswerks in Hessen e.V.

 

Beitrag zu friedlichem Miteinander in Europa

Verständigungspolitische Seminarreise führte nach Nordserbien und Südungarn

 

Wiesbaden: Von der Anzahl der heute dort lebenden Bevölkerung her spielt der Anteil der offiziell anerkannten deutschen Minderheit mit 0,169 % in der autonomen Provinz „Vojvodina“ der Republik Serbien eigentlich eine recht untergeordnete Rolle. Und dennoch haben die seit dem 17. Jahrhundert von Ulm und anderswo entlang der Donau eingewanderten deutschen Siedler, auch als Donauschwaben bekannt, bis in die heutige Zeit hinein deutliche Spuren hinterlassen, die durchaus hoffen lassen, dass die deutsche Sprache, die deutsche Kultur und Tradition in diesem europäischen Landstrich trotz schwieriger Finanzsituation auch weiterhin nachhaltig erhalten bleiben. Diesen Eindruck hatten zumindest die rund  30 Teilnehmer/innen aus der Bundesrepublik nach einem informativen und abwechslungsreichen Seminarprogramm aus der Reihe „Begegnung und Verständigung“ bei einer Reise, die sie kürzlich in den Norden von Serbien und den Süden von Ungarn führte. Veranstaltet wurde dieser Auslandsbesuch von dem Deutsch-Europäischen Bildungswerk in Hessen e.V., das solche, vom Bundesministerium des Inneren geförderten verständigungspolitischen Seminarreisen seit Jahrzehnten in die ehemals deutschen Siedlungsgebiete von Mittel-, Ost- und Südosteuropa mit großem Erfolg unternimmt. Und deshalb wies Seminarleiter Siegbert Ortmann, der auch Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Hessen ist, gleich zu Beginn darauf hin, dass diese Veranstaltung nicht nur bei Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern das Interesse an den geschichtlichen Hintergründen der aufgesuchten Regionen wecken und bei den vielfältigen Begegnungen mit den deutschen Minderheiten, aber auch der heutigen Mehrheitsbevölkerung  vor Ort, verständlich machen sollten. Und so könnten bei der EU-Perspektive Serbiens die zahlreichen menschlichen Begegnungen während dieser Veranstaltungstage vielleicht auch ein kleiner Beitrag zu einem friedlichen Miteinander unter den Völkern Europas gewesen sein.

Das rund einwöchige umfangreiche Seminarprogramm unter dem Thema „Vielvölkerregion an der Donau und die Deutschen: gemeinsame geschichtliche Erfahrung als Grundlage für die Verständigung und Erneuerung“ begann mit Führung durch das Stadtmuseum Novi Sad/Neusatz in der Festung Peterwardein, die an die letzte große Schlacht 1683 mit Prinz Eugen gegen die Türken erinnert und auch bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt ist. Die Historikerin und zugleich Museumsleiterin Dr. Agnes Ozer referierte an diesem historischen Ort sehr detailliert und verständlich über das Multi- Kulti Zusammenleben in der autonomen Provinz Vojvodina. Es folgten eine sachkundige Führung durch die Metropole Novi Sad und danach eine sehr interessante Info-Veranstaltung nebst Fernsehinterview mit Vertretern des öffentlich-rechtlichen Radios–Televizija Vojvodine unter Leitung der deutschsprachigen Journalistin Hajnalka Buda. In Erinnerung an die Internierung und den Tod Tausender Donauschwaben am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die erst 2017 eingeweihte Gedenkstätte in Jarek aufgesucht und ein mitgebrachter Kranz aus Blumen davor niedergelegt. Besucht wurde auch die Stadt Karlowitz,- bekannt durch den 1699 abgeschlossenen „Friedensvertrag von Karlowitz“-, mit Stippvisiten bei der dortigen Schule sowie der Stiftung Heimathaus mit dem donauschwäbischen Museum unter Leitung von Stjepan A. Seder. Weiter gab es Ausflüge zum sehenswerten Deutschen Kirchenmuseum in Apatin mit seinem engagierten Gründer Boris Masic und zum Deutschen Verein „St. Gerhard“ nach Sombor. Hier vermittelte deren Geschäftsführerin Gabrijela Bogisic den Zuhörern sehr anschaulich die aktuelle Lage und Zukunft der deutschen Minderheit in Serbien. Dabei wurde deutlich, dass die kleine deutsche Minderheit mit 3272 Personen in der Provinz Vojvodina insgesamt 14 Kulturvereine betreibt und der Verein St. Gerhardt in Somborn mit über 750 Mitgliedern die treibende Kraft für den Erhalt dieser deutschen Minderheit ist.

Die beiden letzten Tage waren der Deutschen Minderheit im EU-Nachbarland Ungarn vorbehalten. Es wurde zunächst das renommierte Ungarndeutsche Bildungszentrum in Baja mit rund 1000 Schülern besucht. Dort gab dann die deutsche Direktorin Dörte Christensen sehr interessante Einblicke über das derzeitige deutsche Bildungswesen in Ungarn. Auf dem Schulgelände wurde übrigens kürzlich zu Unterrichtszwecken eine originalgetreu nachgebaute „Ulmer Schachtel“ aufgestellt, die an die Ansiedlung der Donauschwaben per Schiff im 18. Jahrhundert erinnern soll.

Es folgte der Besuch der ungarischen Stadt Szeged mit einem geführten Gang durch das dortige Rathaus und anschließendem Treffen im „Haus der Minderheiten“ mit Vertretern der Deutschen Selbstverwaltung in Szeged und im Komitat Csongrad. Ihre beiden Vorsitzenden, Alexandra Korom und Sabine Balogh, referierten sehr verständlich über Gegenwart und Zukunft der deutschen Minderheit in dieser Stadt, die auch „das südöstliche Tor Europas“ genannt wird.

Die recht anstrengenden Seminartage vermittelten übereinstimmend einen anschaulichen Einblick in die Vielvölkerregion an der Donau. Abwechselnd wurden die Teilnehmer nach den einzelnen Vorträgen auch als Moderatoren und Referenten mit eingebunden und so glich das Seminar teilweise einem „Workshop“ für Völkerverständigung. Etwas nachdenklich gestalteten sich allerdings die notwendigen Busfahrten vom Hotelquartier in Subotica (Serbien) zu den Besuchen nach Ungarn und zurück. Vor allem die Kontrolle bei der Ausreise aus dem EU-Land Ungarn mit angeordneter reihenweiser Personenaufstellung vor dem Bus und anschließender persönlicher Aushändigung der Ausweise erinnerte mitunter an die Zeiten des längst überwundenen „Kalten Krieges“ in Europa mit den damals üblichen schikanösen Grenzkontrollen beim Überqueren des „eisernen Vorhangs.“

Am Ende wurde die sorgfältige Vorbereitung und erfolgreiche Durchführung dieser Seminarreise von allen Teilnehmern lobend hervorgehoben und der Dank dafür gebührte dem Geschäftsführer des Deutsch-Europäischen Bildungswerk Hessen e.V., Hubert Leja (Wiesbaden), und dem Leiter dieser verständigungspolitischen Veranstaltung, dem stellvertretenden Vorsitzenden Siegbert Ortmann (Lauterbach).
 

Einführungsveranstaltung im Hotel in Novi Sad (Foto: mjg)
Seminarteilnehmer auf der Festung Peterwardein in Novi Sad (Foto: mjg)
Ortmann gedenkt in Jarek der Toten und legt Kranz nieder (Foto: mjg)
Teilnehmer vor Schule in Karlowitz (Foto: mjg)
Gymnasium in Karlowicz (Foto: mjg)
Schild an Schule (Foto: mjg)
TV-Interview mit der Journalistin Hajnalka Buda (Foto: mjg)
Auf dem Schulgelände von Baja mit „Ulmer Schachtel“ (Foto: mjg)
Seminarteilnehmer im Rathaus von Szeged/Ungarn (Foto: mjg)

Seminarreise nach Lettland

Im Juli 2019 fand eine Seminarreise nach Lettland statt. Veranstaltet wurde diese vom Deutsch-Europäischen Bildungswerk in Hessen e.V und durch das BMI gefördert. Ziel waren die früheren Siedlungsgebiete der Deutschen in Lettland. Bis 1918 war Lettland nie selbständig. Schweden, Polen und Russen herrschten über Lettland. Über Jahrhunderte besiedelten Deutsche das Land. Es gibt an bedeutenden Gebäuden und Kirchen deutsche Inschriften, die das Wirken der Deutschen in Lettland auch jetzt noch belegen.


1918 wurde die Republik Lettland gegründet und erlebte bis 1939 einen Aufschwung und wirtschaftliche Prosperität; nach einem Staatsstreich in 1935 wurde das Land autoritär regiert. 1939 vereinbarten Deutschland und Rußland mit dem Ribbentrop/Molotow Pakt, daß Lettland zur Einflußsphäre der Sowjetunion zählt. Ende 1939 wurden ca. 48.000 Deutschbalten auf Grund dieses Vertrages mit dem Deutschen Reich nach Deutschland zwangsumgesiedelt. Anläßlich der Eröffnung der Deutsch-Baltischen Abteilung im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und einer Podiumsdiskussion in Anwesenheit des damaligen Lettischen Staatspräsidenten Raimonds Vējonis, erfuhren die Gäste, daß es auch heute noch trotz Zwangsumsiedlung eine deutsche Minderheit in Lettland gibt, da doch mancher Deutsche in Lettland geblieben war, sich zwar verstecken mußte oder als Lette ausgab. Auch die deutsche Sprache wird noch gesprochen. Dies wurde uns vor Ort von Vertretern des Deutschen Kulturvereins Ventspils und des Verbandes der Deutschen in Lettland auf Nachfrage bestätigt.


Michael Gediga
 

Freude in Lettland an deutscher Tradition, Kultur und Sprache

Deutsch-Europäisches Bildungswerk in Hessen e.V. besuchte das Baltikum
 

Wiesbaden: Die Suche nach Spuren der deutsch-baltischen Geschichte und die Frage nach dem künftigen Umgang mit dem historischen Erbe der Deutschbalten in Lettland und der aktuellen deutschen Minderheit in diesem osteuropäischen Land standen im Mittelpunkt einer einwöchigen Seminarreise des Deutsch-Europäischen Bildungswerks e.V. in Hessen, die in der vergangenen Woche nach Riga ins Baltikum führte.  So ging es dann auch bei den höchst interessanten Vortragsthemen sowohl um die Wurzeln der lettischen Identität und die Folgen des sog. Ribbentrop-Molotow-Paktes von 1939/1940, als auch der derzeitigen Lage der deutschen Minderheit in Lettland und die zukünftige Bewahrung und Pflege der deutschen Kultur und Tradition sowie deren möglicher Bedeutung für eine gemeinsame europäische Erinnerung. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat unterstützt diese Seminarreisen aus der Reihe „Begegnung und Verständigung“ seit vielen Jahren und verbindet damit ihr Anliegen auf den Erhalt des Interesses für die Geschichte und gegenwärtige Lage von Deutschstämmigen außerhalb unserer heutigen Landesgrenzen. An dem Seminar nahmen 34 Teilnehmer aus allen Teilen des Bundesgebietes teil und erlebten ein interessantes und abwechslungsreiches Programm unter Leitung von Siegbert Ortmann (Lauterbach), dem Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Hessen sowie Hubert Leja, dem Geschäftsführer des Reiseveranstalters, dem Deutsch-Europäischen Bildungswerk in Hessen e.V. Im Rahmen dieser Veranstaltung hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den einzigartigen Kulturraum von Lettland durch gut ausgewählte Besichtigungen von historischen Stätten, von gegenwärtigen gesellschaftlichen Einrichtungen und Institutionen sowie von den heutigen Zentren der deutschen Minderheit kennenzulernen und dabei interessante Erfahrungen zu machen. Zwar ist seit der 2. Unabhängigkeit Lettlands zu Beginn der 90er Jahre hinaus der deutsche Anteil an der Gesamtbevölkerung auf niedrigem Niveau stagniert, geblieben sind dagegen die vielen kulturellen Relikte und Einflüsse der Vergangenheit, mit denen man in diesem Land recht gut umzugehen weiß. Und das konnten die Seminarteilnehmer bei den Besuchen des im Jahre 1790 errichteten Gutshaus zu Spahren mit der nahegelegen evangelischen Kirche, der Begegnung im Handwerkshaus Ventspils, dem renovierten ältesten Schulgebäude des Herzogtums Kurland, einem ehemaligen feudalem Staatswesen im Baltikum oder bei der Besichtigung des Stadtmuseums des bekannten Ostseebadeortes Jurmala recht gut erfahren. Darüber hinaus gaben der Besuch des Lettischen Okkupationsmuseum in Riga mit dem eindrucksvollen Vortrag des Museumsleiters Prof. Dr. Valters Nollendorfs sowie der Empfang im Rathaus von Riga dieser Seminarveranstaltung eine besondere Qualität.
 

Den thematischen Höhepunkt des verständigungspolitischen Seminars bildete nach einhelliger Meinung der Teilnehmer der Besuch des Lettisch-Baltischen Zentrum „Domus Rigensis“ im Haus Metzendorff in Riga mit dem begeisternden Vortrag von Ilze Garda, der jungen Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen in Lettland, der Dachorganisation der deutschen Minderheiten in ganz Lettland. Sie machte mit ihren Ausführungen die allgegenwärtige Freude in Lettland an deutscher Tradition, Kultur und Sprache aber auch den Aufbruch in eine offene und friedliche Zukunft im geeinten Europa mehr als deutlich. Auch die komplizierte Geschichte Lettland mit seiner russischsprachigen Minderheit waren immer wieder Gegenstand bei den Diskussionen. Dabei wurde des öfteren mit einer gewissen Sorge auf die aktuelle politische Situation im Baltikum und das Verhältnis zu Russland hingewiesen. Bei der Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse am Ende der einwöchigen Veranstaltung konnte Seminarleiter Siegbert Ortmann zufrieden feststellen, dass der mit der Veranstaltung bezweckte „geschichtliche Erfahrungsaustausch zwischen Letten und Deutschen als Grundlage für die Zusammenarbeit“ durchaus gelungen war und die Teilnehmer viele Informationen über Lettland und von den zahlreichen Begegnungen sogar herzliche menschliche Erlebnisse mitnehmen konnten.
 

Siegbert Ortmann

 

Siegbert Ortmann bedankt sich beim Vertreter des deutschen Botschafters in Riga mit einem Wein aus dem Rheingau
und bei den Vertreterinnen der Stadt Ventspils für die jeweiligen Vorträge
Einladung durch die Leiterin des Deutschen Kulturvereins Ventspils in Ihren Garten am Geburtstag von Hubert Leja (rechts)
im Sitzungssaal des Rathauses von Riga
Teilnehmer vor dem Schwarzhäupterhaus in Riga
Deutsche Inschriften am Giebel des Schwarzhäupterhauses
und in der St. Petri Kirche
Siegbert Ortmann bedankt sich bei Ilze Garda, der jungen Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen in Lettland im Haus Metzendorff (Deutscher Kaufmann in Riga Anfang des 20. Jh.)

„Brückenschlag in die Zukunft“

Bundeskanzlerin spricht beim Jahresempfang des BdV

70 Jahre Bundesrepublik Deutschland und der gelungene Aufbau eines freiheitlichen und friedlichen Europa – dies sei gerade auch wegen der deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler eine Erfolgsgeschichte, erklärte Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB in ihrer diesjährigen Ansprache beim Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen, der am 9. April 2019 im Tagungszentrum Katholische Akademie in Berlin stattfand. Die Vertriebenen hätten früh erkannt, dass „Europa als Friedensgemeinschaft die Antwort auf Krieg und all seine schrecklichen Folgeerscheinungen war und ist“.


„Wer könnte besser als Sie davon erzählen, was wir an Europa haben?“, fragte die Bundeskanzlerin und lobte die verständigungspolitische Arbeit sowie den Einsatz für die Anliegen der deutschen Minderheiten in den Nachbarländern, woraus immer wieder der Brückenschlag in die Zukunft deutlich werde. Dies widerspiegle auch das aktuelle Jahres-leitwort „Menschenrechte und Verständigung – Für Frieden in Europa“.


Politische Verantwortung der Bundesregierung


Die Bundesregierung nehme die politische Verantwortung sehr ernst, die aus dem Schicksal der Vertriebenen und ihrem Selbstverständnis als Brückenbauer in Europa erwachse, betonte Merkel und ging kurz auf die finanzielle Förderung zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Kulturarbeit der Vertriebenen und Spätaussiedler ein. Diese biete eine Chance, das Kulturerbe der Deutschen im östlichen Europa und die Vertreibungen als „Teil einer europäischen Beziehungsgeschichte“ sichtbar werden zu lassen und darauf aufbauend den Blick in die Zukunft zu wenden. Dabei spiele auch die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ mit dem geplanten Dokumentationszentrum im Berliner Deutschlandhaus eine wichtige Rolle, erklärte die Bundeskanzlerin und mahnte in der Fertigstellung zur Eile: „Es würde mich unendlich freuen, wenn wir endlich einmal einfach die Türen öffnen und Menschen hineinbringen könnten.“


Insgesamt freute sich Merkel der vielen interessanten Anknüpfungspunkte wegen auf die weitere Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und dem Bund der Vertriebenen und dankte den Vertriebenen und ihren Verbänden ausdrücklich für den geleisteten Einsatz.


Generationenungerechtigkeit im Rentenrecht


Persönliche Prüfung sicherte die Bundeskanzlerin bezüglich der sozialen Absicherung von Spätaussiedlern im Alter zu. Eine Aussage aus der Begrüßungsrede des BdV-Präsidenten, Dr. Bernd Fabritius, aufgreifend, zeigte sie Verständnis für die vehemente Vertretung gerade dieses Anliegens gegenüber der Bundesregierung sowie die seitens der Betroffenen deutlich gewordene Unzufriedenheit mit den Koalitions-vereinbarungen. „Ihre Zahlenangaben waren nicht ohne jede logische Relevanz, würde ich einmal sagen, was den demografischen Aufbau der Gruppe der Spätaussiedler anbelangt. Ich werde mir das daher noch einmal sehr genau anschauen“, so Merkel wörtlich.


Fabritius hatte zuvor erklärt, Spätaussiedler seien ein Gewinn für die deutschen Rentenkassen. Ihre Altersstruktur stütze die auf einen Generationenvertrag aufbauende „Solidargemeinschaft Rentenversicherung“. Ein Drittel der aufgenommenen Spätaussiedler sei jünger als 18 Jahre, der überwiegende Teil im Alter zwischen 18 und 45 und zahle Beiträge in die Rentenversicherung ein. Nur rund sieben Prozent der Spätaussiedler seien bei Aufnahme älter als 65. Dennoch werde die Gruppe der Älteren seit 1996 weitgehend aus dem Generationenvertrag ausgeschlossen und deren Rentenbezug durch Deckelung der anrechenbaren Entgeltpunkte und weitere Maßnahmen um mehr als die Hälfte gekürzt.


„Die Arbeits- und Lebensleistung der Menschen soll wesentlicher Anknüpfungspunkt im Rentensystem sein, wohl aber nicht bei deutschen Spätaussiedlern. Schlagwörter wie ‚Respektrente‘ kommen bei uns wie Hohn an, wenn wir davon weiter ausgeschlossen bleiben“, kritisierte der BdV-Präsident. Das Ziel des Bundes der Vertriebenen bleibe Gerechtigkeit für die Betroffenen. In dem Zusammenhang dankte Fabritius für Unterstützungsinitiativen – etwa seitens des Freistaates Bayern, dessen ehemaliger Ministerpräsident und amtierender Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, auch am Jahresempfang teilnahm.


„Wir brauchen Freunde!“


Über das drängende Anliegen der Spätaussiedler hinaus zeichnete der BdV-Präsident ein Gesamtbild guter Zusammenarbeit mit vielen politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren. So freute er sich insbesondere auf die Gelegenheit, die ebenfalls anwesende Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters MdB, als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten zur deutschen Minderheit nach Rumänien begleiten und ihr als Siebenbürger Sachse das dortige deutsche Kulturerbe sowie das kulturelle Leben der Minderheit vorstellen zu dürfen.


Die Anwesenheit vieler Staatssekretäre, Vertreter der Bundes- und Landesministerien, Abgeordneten und Funktionsträger in den im Vertriebenenbereich tätigen wissenschaftlichen Instituten und Museen 
beweise das überparteiliche Engagement und Ansehen des Bundes der Vertriebenen. Gleichwohl sei in mancher Hinsicht noch mehr Unterstützung für die vom Verband vertretenen, vielfach die gesamte Gesellschaft betreffenden Anliegen nötig. „Ja, wir brauchen Freunde!“, bekannte Fabritius freimütig, erklärte aber falschen Alternativen oder Augenwischereien eine Absage.


Viele Gäste beim Jahresempfang


Herzlich willkommen hieß der BdV-Präsident die anwesenden Vertreter der deutschen Minderheiten aus den Nachbarländern. So waren u.a. aus Oppeln der Vorsitzende der dortigen Sozial-Kulturellen Gesellschaft und Präsident des Sejmiks (Landtages), Rafał Bartek, sowie die Geschäftsführerin des Gesamtverbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, Maria Neumann, und aus Hermannstadt der Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Benjamin Józsa, angereist.


Zu prominenten Gästen des diesjährigen Jahresempfanges zählten außer der Bundeskanzlerin, dem Bundesinnenminister und der Kulturstaatsministerin u.a. der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Alexander Dobrindt, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Rita Hagl-Kehl, der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckhard Pols, der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Roland Jahn, der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, sowie etliche weitere Vertreter des Diplomatischen Corps, darunter die Botschafter Armeniens, Chiles, Kasachstans, Kroatiens, Moldawiens, Ungarns und Weißrusslands.
Besonders freute sich Fabritius, mit Margarete Ziegler-Raschdorf, Editha Westmann MdL, Heiko Hendriks und Dr. Jens Baumann die Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler aus Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen begrüßen zu dürfen.


Intensive Klausurtagung des BdV


Erneut hatte der Bund der Vertriebenen im Umfeld des Jahres-empfanges zu einer Klausurtagung des Bundesausschusses eingeladen. Auf dieser wurde intensiv über aktuelle Themen und Arbeitsfelder des Verbandes und seiner Mitglieder gesprochen und die im vorangegangenen Jahr angestoßene Strukturdebatte fortgesetzt.


Die anwesenden Vorsitzenden der Landsmannschaften und Landesverbände freuten sich, ein neues Mitglied in ihrer Mitte begrüßen zu dürfen: Das Präsidium hatte zuvor einem Antrag der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zugestimmt und die Stiftung als außerordentliches Mitglied in den Bund der Vertriebenen aufgenommen. Der Stiftungsvorsitzende, der ehemalige BdV-Vizepräsident Reinfried Vogler, dankte für das Vertrauen und warb gleichzeitig um Unterstützung für die traditionsreiche Stiftung. Derzeit würden Zukunftsperspektiven ausgelotet. BdV-Präsident Fabritius betonte, die Umsetzung der Koalitionsvereinbarung zwischen den Regierungsparteien müsse im Hinblick auf die Kulturstiftung von den Vertriebenen eng begleitet werden.


Abschließend wurde auf wichtige Termine des Verbandes in diesem Jahr hingewiesen: So werde am 31. August der diesjährige zentrale Auftakt zum Tag der Heimat in der Berliner Urania stattfinden. Am 29. November wiederum werde die Bundesversammlung ebenfalls in Berlin, in der Landesvertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund, durchgeführt. In deren Zusammenhang werde der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck auf einstimmigen Beschluss des Präsidiums mit der Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen ausgezeichnet.


Marc-P. Halatsch
 

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB eingehend auf die Begrüßungsansprache von Dr. Bernd Fabritius (Foto: mjg)
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB bei angeregter Unterhaltung, Dr. Bernd Fabritius (Foto: mjg)
Frau Editha Westmann mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat Stephan Mayer MdB, zugleich BdV Vizepräsident und dem Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Alexander Dobrindt (Foto: mjg)
Frau Editha Westmann im Gespräch mit Dr. Maria Werthan (Präsidentin Frauenverband im BdV e.V.) und Rafał Bartek, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Oppeln und Präsident des Sejmiks (Landtages) (Foto: mjg)
Sowie mit Frau Dr. Barbara Loeffke und Hans-Jörg Froese LM Ostpreußen (Foto: mjg)

Dr. Bernd Fabritius als BdV-Präsident wiedergewählt

Bei der am 30.11.2018 in Berlin stattgefundenen Bundesversammlung des Bundes der Vertriebenen ist Dr. Bernd Fabritius mit 96,6 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Stephan Grigat, Renate Holznagel, Christian Knauer, Stephan Mayer MdB, Siegbert Ortmann und Albrecht Schläger. Zu weiteren Präsidialmitgliedern wurden gewählt: Raimund Haser MdL, Milan Horáček, Egon Primas MdL, Stephan Rauhut, Brunhilde Reitmeier-Zwick und Johann Thießen. Die Präsidentin des Frauenverbandes im BdV, Dr. Maria Werthan, und der Präsident des Bauernverbandes der Vertriebenen, Christian Walter, gehören kraft Amtes dem Präsidium an. Unsere Vorsitzende Frau Editha Westmann nahm an der Bundesversammlung teil, die einmal jährlich stattfindet und neben den alle zwei Jahre stattfindenden Wahlen für Verbandsinterna, wie Rechenschaftsbericht, Finanzbericht usw. zuständig ist.

Editha Westmann mit Dr. Bernd Fabritius
Editha Westmann, Brunhilde Reitmeier-Zwick und Iris Ribsam

Seminarreise in die polnisch-tschechische Grenzregion

Anfang November 2018 fand eine vom DEBW Hessen durchgeführte und vom BMI geförderte Veranstaltung im Teschener Schlesien statt. Seit 100 Jahren ist die ehemalige Stadt Teschen getrennt.  Das heute (polnische) Ciescyn ist getrennt durch den Grenzfluß Olsa vom (tschechischen) Český Těšín. Deutsche Volksgruppen gibt es auf beiden Seiten der Grenze.


Nachstehend ein Bericht des Deutsch-Europäischen-Bildungswerk Hessen e.V.

„Zukunftsorientiertes Europa muss sich immer seiner Geschichte bewusst sein“

Seminarreise führte in geschichtsträchtige polnisch-tschechische Grenzregion

Wiesbaden:  In der vergangenen Woche unternahm das Deutsch-Europäische-Bildungswerk in Hessen e.V. mit dem Sitz in Wiesbaden seine letzte verständigungspolitische Seminarreise in diesem Jahr. Es ging in die geteilte polnisch-tschechische Stadt Teschen sowie ins schlesische Mähren. 25 Seminaristen aus der Bundesrepublik waren dabei und bekundeten damit ihr besonderes Interesse, bei der Verständigung und Aussöhnung mit den östlichen Nachbarvölkern und der Intensivierung des friedlichen Miteinanders in Europa mitzuwirken. Die Leitung dieser einwöchigen Veranstaltung hatte Siegbert Ortmann (Lauterbach), Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Hessen, der mit der Thematik solcher Reisen, wonach ein zukunftsorientiertes Europa sich immer seiner Geschichte bewusst sein müsse und Verbindendes nicht jenseits, sondern nur über die jeweiligen geschichtlichen Erfahrungen geschaffen werden könne, aus zahlreichen früheren Veranstalten bestens vertraut ist. Vom Bundesministerium des Inneren wird übrigens diese verständigungspolitische Arbeit des Deutsch-Europäischen-Bildungswerks Hessen e.V., einer Einrichtung des BdV-Hessen, aus Steuermitteln unterstützt. Grundlage dieser Bundesförderung ist der mehrfach in der Vergangenheit zum Ausdruck gekommene Wille des Deutschen Bundestages, die Deutschen Heimatvertriebenen in das Werk der europäischen Aussöhnung und Verständigung mit einzubeziehen. Das jetzt durchgeführte Seminar stand unter dem Motto „Das deutsch-tschechisch-polnische Miteinander im gemeinsamen Europa“ und gliederte sich in eine abwechslungsreiche Mischung aus Vorträgen, Diskussionen und Exkursionen. Der Ausgangspunkt war nach der rd.1000 km langen Busanreise das traditionsreiche Städtchen Teschen/Cieszyn, wie der schlesische Ort bis zum ersten Weltkrieg genannt wurde. Heute ist diese Stadt nach wechselvoller, teils sehr schmerzhafter Geschichte im vorigen Jahrhundert in einen polnischen und einen tschechischen Teil getrennt, wobei die gemeinsame Landesgrenze entlang des Flusses Olsa verläuft. Dank der Europäischen Union und dem Schengener Abkommen kann diese Grenze jedoch kaum als solche wahrgenommen und bequem zu Fuß überquert werden. Und so erlebten die Seminarteilnehmer beiderseits der Grenze ein vielfältiges und interessantes Tagungsprogramm. In Tschechien wurden die Stadt Tschechisch-Teschen, die nordmährische Metropole Mährisch-Ostrau, die erst junge Bergmannstadt Havirov (entstanden: 1955) sowie das Zentrum des ehemaligen deutschen Kuhländchens, die Stadt Neutitschein mit dem recht umfänglichen Regionalmuseum, besucht. Auf polnischer Seite waren Polnisch-Teschen, der Kurort Ustron und das Wintersportzentrum Wisla-Malinka in luftiger Höhe auf der großen Adam-Malysz Skisprungschanze die programmgemäßen Standorte für weitere verständigungspolitische Aktivitäten. Und es fanden auch herzliche Begegnungen bei den ortsansässigen deutschen Minderheiten mit Vertretern des Deutschen Freundschaftskreises in Polnisch-Teschen, des Regionalverbandes für Lokale Zusammenarbeit Teschener Schlesiens in Tschechisch-Teschen, des Verbandes des Teschener Schlesiens in Havirov mit der Vorsitzenden Wilma Matthis, sowie schließlich bei dem Deutschen Freundschaftskreis in Ustron statt. Hier begrüßte der Vorsitzende der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen in Schlesien, Martin Lippa (Gleiwitz) die deutschen Gäste und informierte über die Lage der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Schlesien.


In den Städten Mährisch-Ostrau und Polnisch-Teschen gab es zudem offizielle Empfänge bei der Kommunalpolitik, wobei im Teschener Rathaus mit Bürgermeister Ryszard Macura als Gastgeber sogar noch ein kleiner Hauch von Nostalgie aus früheren Habsburger Zeiten zu spüren war. Denn auf die Einweihungsfeierlichkeit des Erweiterungsbaues mit dem repräsentativen Sitzungssaal im Jahre 1880 im Beisein Kaiser Franz Josef des I. und dessen Wirken für diese Region wird in deutscher Sprache immer noch verschiedentlich hingewiesen.


Einen „Ohrenschmaus vom Feinsten“ genossen die Seminarteilnehmer als Gäste der Sozial-kulturellen Gesellschaft für Deutsche in Schlesien mit Kulturreferentin Frau Doris Gorgosch (Ratibor) bei einem Konzert der international bekannten staatlichen Musikschule von Teschen im historischen Theater dieser Stadt mit einem brillanten und abwechslungsreichen Repertoire jugendlicher polnischer Musikschüler/innen.


Das schwierige Zusammenleben unterschiedlicher Volksgruppen in Vergangenheit und Zukunft beleuchteten die beiden Wissenschaftler Dr. Grzegorz Studnicki (Pl) und Martin Krul (Cz) mit ihren sehr informativen Referaten über die wechselvolle Geschichte dieser Nachbarländer und trugen so nach einhelliger Meinung der Seminaristen wesentlich zum besseren Verständnis über die geschichtsträchtige Teschener Grenzregion bei.


Und schließlich war noch eine weitere Station des kurzweiligen Wochenprogramms der Besuch bei der evangelischen Kirchengemeinde in Wisla-Malinka mit einem sehr interessanten Überblick von Pfarrer Leszek Czyz über die heutige Lage der mit 40.000 Mitgliedern sehr bedeutsamen evangelischen Kirche in Teschener Schlesien in dem ansonsten überwiegend verbreiteten Katholizismus auf nationaler Ebene in Polen. Aber im Gegensatz zu den ökumenischen Verhältnissen in anderen Landesteilen, gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde im Teschener Grenzbereich durchaus sehr harmonisch und intensiv. Darauf verwies der im Übrigen erkennbar recht engagierte evangelische Gemeindepfarrer auch mit einigem Stolz.


Dieses sicherlich nicht nur aus Sicht des Veranstalters erfolgreich abgeschlossene Seminar zeigt einmal mehr die Wichtigkeit solcher Begegnungen zum besseren Verständnis für die Probleme bei osteuropäischen Nachbarstaaten mit dem Ziel des Abbaus von gegenseitigen Vorurteilen, die leider trotz gemeinsamer EU-Mitgliedschaft vielfach noch immer vorhanden sind. Für die hervorragend getroffene Auswahl des äußerst interessanten, in Deutschland aber wenig bekannten Reiseziels im fernen östlichen Europa sowie die Organisation und Durchführung dieser einwöchigen Veranstaltung gebührt dem Deutsch-Europäischen-Bildungswerk in Hessen e.V. mit seinem Kulturreferenten Hubert Leja sowie dem Tagungsleiter Siegbert Ortmann der herzliche Dank aller Reiseteilnehmer. 

Gruppe vor dem Teschener Jagdschloß der Habsburger
Bürgermeister und Seminarleiter im Teschener Rathaus
Erinnerung an Kaiser Franz Josef I.
Vortrag
auf dem Aussichtsturm der Sprungschanze
Siegbert Ortmann bedankt sich bei Martin Lippa

Johann Thießen ist Bundesvorsitzender der LM der Deutschen aus Russland

Mitte Oktober wurde Johann Thießen, Arzt aus Kassel, mit einer großen Mehrheit zum neuen Bundesvorsitzenden der LM der Deutschen aus Russland gewählt. Herr Thießen hatte das herausragende Amt bereits kommissarisch seit Juni inne, da sein Vorgänger Eisenbraun als Kulturreferent nach Bayern gegangen war. Der BdV-LV-Niedersachsen gratuliert Herrn Thießen herzlich zu seinem Amt und wünscht ihm stets eine glückliche Hand. Editha Westmann konnte im Rahmen des Jahresempfangs des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold persönlich gratulieren. „Ich freue mich sehr über die Wahl von Herrn Thießen. Seine verbindende Art ist Garant für eine harmonische und konstruktive Zusammenarbeit“, erklärte die BdV-Landesvorsitzende und Landesbeauftragte für Spätaussiedler und Heimatvertriebene Editha Westmann. Am Rande des Empfangs konnten sich Johann Thießen, Dr. Bernd Fabritius und Editha Westmann und der Landesbeauftragte für Aussiedler, Spätaussiedler und Heimatvertriebene aus NRW, Herr Heiko Hendriks über Aussiedlerpolitische Themen austauschen.

von links: Dr. Fabritius, Editha Westmann, Johann Thießen, Heiko Hendricks(Foto: Christian Stichternath)

Editha Westmann spricht beim Tag der Heimat in Wolfhagen/Hessen

Der Vorsitzende des BdV Kreisverbandes Wolfhagen in Hessen, Stefan Podlaha, hatte die Niedersächsische BdV-Vorsitzende Editha Westmann als Festrednerin zum Tag der Heimat eingeladen. Neben den Grußworten und der Festrede wurde das Programm durch die Dörnberg-Musikanten, die Volkstanzgruppe Besse und den Bezirkschor der Landfrauen gestaltet. "Ich habe mich sehr über die Einladung unserer hessischen Freunde gefreut. Der Kontakt zu unseren Nachbarn zeigt, dass wir ähnlichen Herausforderungen gegenüberstehen. So ist es auch für den BdV-Kreisverband Wolfhagen wichtig, bei jungen Menschen das Interesse am Thema Flucht und Vertreibung zu wecken", so Editha Westmann. Im Fokus ihrer Ansprache stand der Zusammenhalt Europas. Der BdV könne viel dazu beitragen, dass Europa weiterhin zusammenwachse.


Stefan Podlaha hatte Editha Westmann gebeten, die Ehrungen am Tag der Heimat durchzuführen. Sie überreichte die goldene Ehrennadel für 50-jährige Mitgliedschaft an Herrn Gerhard Stumoe und die silberne Ehrennadel an Benedikt Podlaha. Der junge Mann ist als Schatzmeister tätig ist und hat den Verband im Bereich Digitalisierung unterstützt.

Benedikt Podlaha, Stefan Podlaha, Editha Westmann und Gerhard Stumoe

Seminarreise in die Slowakei zu deutschen Volksgruppen im Oktober 2018

Die deutsche Volksgruppe in der Slowakei besteht aus Karpatendeutschen. Es gibt drei auseinanderliegende Siedlungsgebiete: Die Gegend um 1. Preßburg (das heutige Bratislava), 2. das Hauerland (benannt nach den Siedlern, die den Wald gerodet haben, also „gehauen haben“ und in Orten wie Kuneschhau, Krickerhau usw. gewohnt haben. Besucht wurde nicht 3. die deutsche Sprachinsel in der Zips (Zipser Sachsen, Region in der nordöstlichen Slowakei mit Oberzips und der unteren Zips).

 

Schulischer Einsatz für deutsches Erbe und deutsche Sprache 

Verständigungspolitisches Seminar bei Karpatendeutschen in der Slowakei 

Das Fortbestehen von Tradition und Sprache bei den deutschen Minderheiten in den östlichen Ländern vor Ort zu erkunden und zu unterstützen ist seit Jahrzehnten die wichtigste Aufgabe des Deutsch-Europäischen-Bildungswerks Hessen e.V. mit Sitz in Wiesbaden, die vom Bundesministerium des Inneren dankenswerterweise auch finanziell gefördert wird. Und so führte kürzlich unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden dieses Vereins und gleichzeitig Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Hessen, Siegbert Ortmann (Lauterbach) eine Seminarreise aus der Reihe „Begegnung und Verständigung“ in die Slowakei mit der Hauptstadt Bratislava und weiter ins sog. Hauerland, einem der drei Hauptsiedlungsgebiete der Karpatendeutschen und mitten im Landesinneren gelegen. Die 37-köpfige Teilnehmergruppe stammte aus allen Teilen der Bundesrepublik und erlebte bei ihrem einwöchigen Aufenthalt in der Slowakei spannende und teilweise rührende Begegnungen hautnah von Mensch zu Mensch im Dienste der Völkerverständigung im gemeinsamen Europa. Die gelungene Einstimmung dazu erfolgte zu Beginn bei einem Besuch im Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Preßburg und einem sehr informativen Vortrag vom dortigen Museumsleiter Dr. Ondrej Pöss, dem Vorsitzenden des Karpatendeutschen Vereins. Er referierte über die aktuelle Situation seiner deutschen Volksgruppe und deren vielfältiges Leben in der Slowakei. Diese werde als autochthone nationale Minderheit staatlich anerkannt und derzeit zahlenmäßig offiziell auf insgesamt rund 5000 Personen geschätzt. Bei einem Empfang in der Residenz der Deutschen Botschaft in Preßburg stellten sich deren Erster Sekretär Marian Gordzielik, der Leiter des Goethe-Instituts Slowakei Dr. Friedrich Dahlhaus und der Pressesprecher der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer, Markus Halt, den zahlreichen Fragen der Seminarteilnehmer. Zusammenfassend ergab sich dabei im Vergleich zu den übrigen drei Staaten ein durchaus positiveres Bild dieses sog. Visegrád-Staates in der Europäischen Union.


Die weiteren Programmpunkte dieser sehr abwechslungsreichen Reise wurden vom Quartier in Kremnitz im Hauerland aus durchgeführt. Dazu gehörten zunächst eine Führung durch das Bergbaumuseum in Krickerhau und ein sehr herzliches Treffen beim Karpatendeutschen Verein im Haus der Begegnung dieser Stadt. Allgemein wurde dabei als Bereicherung empfunden, dass unter den Seminarteilnehmern auch der 80- jährige Eduard Oswald vom Bundesvorstand der Karpatendeutschen Landsmannschaft in der Bundesrepublik war, der sich als gebürtiger Karpatendeutscher immer wieder mit sachkundigen und persönlichen Kenntnissen einbringen konnte. Am Tag der Deutschen Einheit, also dem 3. Oktober, wurde die Deutschen Bibliothek in Banská Bystrica besucht. Dort ließen es sich die Seminarteilnehmer nicht nehmen, eingangs der großen Empfangshalle ganz spontan die deutsche Nationalhymne zu singen. Im weiteren Tagesverlauf sah das Programm einen Vortrag der Bibliotheksleiterin Katarin Smelkova zum Thema „Gegenwart und Zukunft der deutschen Sprache in der Slowakei“ und anschließend eine äußerst lebhafte und sehr interessante Diskussionsrunde mit dem Journalisten und Redakteur von Radio Slovakia International, Kay Zeisberg, vor. Eine Begegnung mit der Jugend- und Studentengruppe „Freunde der deutschen Sprache“ unter Mitwirkung der Pädagogin Susanne Depuydt von der bundesdeutschen Zentrale für Auslandsschulwesen und einer vom Reiseteilnehmer Dr. Klaus-Peter Lorenz (Baunatal) moderierten und gemeinsam mit den Studenten geführten Aussprache über die Bedeutung der Kooperation von Schulen und Universitäten im europäischen Rahmen erbrachte durchaus interessante Erkenntnisse über die heutige junge slowakische Generation.


Ein besonderer Höhepunkt der verständigungspolitischen Seminarreise in die Slowakei war tags drauf zweifellos der Besuch in der bilingualen Schule mit Kindergarten in Deutschproben. Die dort von der Schulleiterin Mag. Jana Gebrlinova vorgetragenen ausführlichen Projektbeschreibungen über ihre zweisprachige Grundschule mit dem ausdrücklich erklärten Ziel, das deutsche Erbe und die deutsche Sprache in dieser slowakischen Region zu erhalten, werden zusammen mit in deutscher Sprache von den Schulkindern begeistert dargebotenen Gesangs- und Gedichtsdarbietungen sicherlich als beeindruckendes kulturelles Erlebnis bei allen Seminarteilnehmern in schöner Erinnerung bleiben. Im Haus der Begegnung in Deutschproben mit vielen Exponaten aus früheren Zeiten der deutschen Volksgruppe kamen dann die Vertreter der Karpatendeutschen Jugend mit ihrem Vorsitzenden Patrik Lompart zu Wort und berichteten über „Deutsche Jugendorganisationen in der Slowakei und deren Erhalt und Weiterführung karpatendeutscher Traditionen“. Und schließlich suchte die bundesdeutsche Reisegruppe in Begleitung der Vorsitzenden der Region Hauerland des Karpatendeutschen Vereins, Hilda Steinhüblová, die übrigens während des gesamten Seminars als ausgezeichnete Dolmetscherin fungierte, das erst kürzlich neu gestaltete Mahnmal für die Opfer des Internierungs- und Arbeitslagers Novaky auf. Seminarleiter Ortmann legte an dieser würdigen Gedenkstätte sodann ein Blumengebinde mit Schleife nieder und gemeinsam betete man ein „Vater unser“ im Gedenken an die zahlreichen Opfer dieses früheren Todeslagers. Bevor es zurück zum Quartier ging, wurde trotz vorgerückter Stunde und Dunkelheit die historische Artikular Holzkirche in Hronsek besichtigt. Nach dem elektronisch dargebotenen Informationsvortrag über dieses Gotteshaus wurden noch gemeinsam Kirchenlieder angestimmt.


Den krönenden Abschluss der Seminarreise bildete schließlich ein sehr herzlicher Empfang mit musikalischer Umrahmung und Eintrag ins Goldene Buch im Rathaus von Kremnitz. Bürgermeister Alexander Ferencik gab sich dabei als äußerst freundlicher Gastgeber und stellte seine Stadt ausführlich in Vergangenheit und Gegenwart vor. Vor der Rückreise nach Bratislava fand weiter eine umfangreiche Besichtigung des historischen und heute noch arbeitenden Münzhauses Kremnica unter Führung des Vorsitzenden der Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins in Kuneschhau, Viliam Neuschl, statt. Und den endgültigen Abschluss bildete das Aufsuchen des geographischen Mittelpunktes Europas in Johannesberg mit kurzer Stippvisite in die nahe gelegene Franziskanerkapelle. Zuvor hatte Reiseteilnehmer Nikolaus Holschier (Geisenheim) noch einen kleinen Umtrunk mit Wein, Sekt und Gebäck aus dem Rheingau bei strahlend blauen Himmel im Freien vorbereitet  und so feierte die gesamte Reisegruppe am Ende gebührend den Dank für eine vom Bund der Vertriebenen in Hessen sorgfältig ausgewählte und vom mitreisenden Kulturreferenten Hubert Leja (Wiesbaden) perfekt organisierte, verständigungspolitische Seminarreise in die Slowakei, einem wunderschönen und reizvollen europäischen Land.


Siegbert Ortmann

Gruppe vor Rathaus Kremnitz(Foto: mjg)
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Kremnitz(Foto: mjg)
Bürgermeister (rechts) und Seminarleiter im Rathaus Kremnitz(Foto: mjg)
Gruppe beim Gedenkstein des Internierungslager Novacky(Foto: mjg)
Vorführung mit Gesang in Deutschproben(Foto: mjg)
Diskussionsrunde mit Schülern des deutschen Sprachdiploms in Banská Bystrica(Foto: mjg)

„Seien Sie starke Partner an unserer Seite“

Horst Seehofer beim Tag der Heimat des BdV in Berlin

„Unrechtsdekrete beseitigen – Europa zusammenführen“: Unter diesem Leitwort hatte der Bund der Vertriebenen am 25. August 2018 in die Urania Berlin eingeladen, um den zentralen Auftakt zur wichtigsten Veranstaltungsreihe des Verbandes zu begehen – zum Tag der Heimat. Obwohl gleichzeitig der „Tag der offenen Tür der Bundesregierung“ stattfand, war der Humboldt-Saal mit zahlreichen Gästen aus ganz Deutschland, aus der Politik, aus dem diplomatischen Corps und sogar mit etlichen Vertretern der deutschen Minderheiten in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa gut gefüllt. Es sprachen BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, als Festredner Bundesinnenminister Horst Seehofer und Weihbischof Dr. Reinhard Hauke das Geistliche Wort und Gedenken.

Für Europa – historischen Ballast abwerfen

Dreh- und Angelpunkt der Wortbeiträge war das diesjährige Leitwort. „Im vereinten Europa müssen alle aufeinander zugehen!“, mahnte etwa der BdV-Präsident in seiner Ansprache und bezog dies auf die aktuelle politische Lage in einigen europäischen Staaten. Wo vergangenes Unrecht nicht aufgearbeitet und beseitigt werde, so die Botschaft, könne das damit verbundene Denken zu neuem Unrecht führen. Wo es hingegen aufgearbeitet werde, sei dies ein heilsamer Prozess für die jeweilige Gesellschaft und stärke das Vertrauen zwischen den Ländern. Mit seiner Forderung erfülle der BdV also ein schon seit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950 bestehendes Kernanliegen, denn es gehe darum, Europa voranzubringen und zur grenzüberschreitenden Verständigung beizutragen.

Auszugsweise ging Fabritius auf die Situation in der Tschechischen Republik, in Polen, in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens und in Rumänien ein. Ganz unterschiedlich sei die Bereitschaft, den historischen Ballast der Vertreibungs- und Enteignungsdekrete abzuwerfen. Mancherorts sei sie nur gering ausgeprägt – sogar im Hinblick auf das „gegen jedes Rechtsempfinden einer der Humanität verpflichteten Gesellschaft verstoßende Straffreistellungsgesetz Nr. 115 aus dem Mai 1946 des Präsidenten Beneš“ in Tschechien. Besonders bedauerlich sei, dass gerade dort, wo sich Völker „vor rund einem Vierteljahrhundert mühevoll aus den Fesseln des kommunistischen Unrechts befreien konnten“, heute erneut Einschränkungen demokratischer Grundrechte zu beobachten seien, bemerkte Fabritius mit Blick auf Rumänien und Polen.

Der Grundsatz, dass niemals ein Verbrechen ein anderes rechtfertige, gelte auch angesichts der grauenvollen NS-Verbrechen, die „den Hass der Völker auf Deutschland“ geschürt und Flucht und Vertreibung in diesem Ausmaß erst möglich gemacht hätten, betonte der BdV-Präsident. Gleichzeitig dankte er Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel für ihre ähnlich deutliche Aussage beim nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni 2018.

Dass Fabritius in diesem Zusammenhang das Engagement des BdV für Schutz und Förderung der Menschenrechte ansprach und seine letztjährige Forderung eines internationalen, kodifizierten und sanktionierten Vertreibungsverbotes erneuerte, bekam eine europapolitische Note durch den Hinweis auf die eigenen Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und ethnischen Säuberungen im 20. Jahrhundert. „Europa muss hier Vorreiter sein und der Welt zeigen, dass wir mit Sanktionen gegen jeden vorgehen wollen, der sich in Zukunft Vertreibungen und ethnischer Säuberungen als Mittel der Interessensverwirklichung bedient und sich als Vertreiber betätigt“, so der BdV-Präsident.

Auch die Leitlinien der auf die Zukunft ausgerichteten Arbeit des BdV skizzierte er dem Charta-Auftrag „Europa“ entsprechend. Erinnerungs- und Kulturpolitik sowie der Erhalt von Kulturschätzen und kultureller wie sprachlicher Identität seien mehr und mehr als grenzüberschreitende Aufträge zu begreifen. Die deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, die Aussiedler und Spätaussiedler sowie die vielen Menschen, die sich heute frei zu den Anliegen und Zielen des Verbandes bekennen, würden hier im „Schulterschluss“ mit den „Heimatverbliebenen“ – den deutschen Minderheiten in den Heimat- und Herkunftsgebieten – arbeiten.

Aufgrund der „gemeinsamen interkulturellen Kompetenz sind wir Scharnier und Vermittler zwischen Deutschland und unseren östlichen Nachbarstaaten. Auch wenn es ein langsamer Prozess ist, so setzt sich diese Erkenntnis im Bewusstsein in Deutschland mehr und mehr durch“, freute sich Fabritius. Die politischen Rahmenbedingungen ausdrücklich lobend, machte er doch auch deutlich, dass angesichts der großen Chancen in diesem Arbeitsfeld jede Verbesserung den eingeschlagenen Weg weiter ebnen und verbreitern würde.

Abschließend thematisierte der BdV-Präsident zwei offene Anliegen aus dem Bereich der Spätaussiedler. Zum einen werde sich der Verband weiterhin dafür einsetzen, rentenrechtliche Benachteiligungen zu beseitigen, wegen derer insbesondere Deutsche aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion heute eine Rente unterhalb der Armutsgrenze erhielten – „auch wenn diese Menschen ihr Leben lang hart gearbeitet haben“. Und zum anderen müsse man, „dort Angebote zur nachholenden Integration machen, wo Spätaussiedler ihre Rolle als Teil unserer Gesellschaft noch suchen“ und somit diese späten Opfer des Zweiten Weltkrieges, die als Deutsche nach Deutschland kommen, in ihrer Suche nach Heimat unterstützen.

Die genialste Antwort auf das größte Trümmerfeld der Geschichte

Horst Seehofer begann seine Festrede zur diesjährigen Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat mit einem besonderen Zeichen der Verbundenheit: Er sei stolz, bekannte er, dass er als ehemaliger Bayerischer Ministerpräsident über zehn Jahre hinweg Gelegenheit zur Begegnung mit den Heimatvertriebenen, insbesondere mit den Sudetendeutschen, gehabt und gemeinsam mit Hessen als erstes Bundesland einen eigenen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung ins Leben gerufen habe. Dies seien Höhepunkte seiner Amtszeit gewesen.

Im Folgenden war Seehofers Rede von einer engen Verknüpfung politischer Handlungsfelder und Herausforderungen mit den Erfahrungen, dem Einsatz und den Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler gekennzeichnet. So sah er die Erweiterung seines Aufgabenbereiches um das Thema Heimat als große Chance, ressortübergreifend einerseits zu einem modernen Heimatbegriff zu kommen und andererseits die politischen Rahmenbedingungen derart zu setzen, dass Deutschland als Heimat auch zukünftig lebenswert bleibe.

In dem Zusammenhang würdigte er den millionenfachen, schmerzhaften Heimatverlust der deutschen Vertriebenen sowie das große Engagement für den Wiederaufbau der „neuen“ und für Versöhnungsgesten in die „alte“ Heimat über viele Jahrzehnte, wodurch er ihnen indirekt eine Rolle als Experten sowohl für die Themen „Heimat“ als auch „Europa“ bescheinigte. „Wir leben in der stabilsten Demokratie und dem besten Rechtsstaat, den es auf deutschem Boden jemals gab, und das verdanken wir auch Ihnen“, so der Minister wörtlich.

 Europa bezeichnete er als „die genialste und beste Antwort auf das größte Trümmerfeld aller Zeiten. … Und deshalb ist Europa auch heute der Schlüssel für die Herausforderungen unserer Zeit“. Es sei klar, dass die Unrechtsdekrete, „insbesondere die Beneš-Dekrete“, verschwinden müssten, zumal Europa „zuallererst eine Wertegemeinschaft“ sei. Nur gemeinsam könne man etwa eine international zukunftsfähige Politik der „Humanität und Ordnung“ erreichen, über deren Grundsätze man sich gerade in mühevollen Verhandlungen einig zu werden versuche, erklärte Seehofer und ließ einen kurzen Ausflug in die aktuelle Migrationsdebatte folgen. Die deutschen Vertriebenen und Spätaussiedler forderte er auf, ihre Rolle im europäischen Dialog weiter auszubauen. „Seien Sie starke Partner an unserer Seite, wir brauchen Sie dazu. Sie haben historisch beste Netzwerke und Verbindungen“, mahnte der Innenminister.

In Deutschland müsse die Debatte über einen modernen Heimatbegriff insbesondere unter dem Motto „gleichwertige Lebensverhältnisse“ geführt werden. Schon in der Vergangenheit, bei der Eingliederung der Vertriebenen, habe sich gezeigt, dass große soziale Spannungen durch bessere gesetzliche Rahmenbedingungen und eine nachfolgende Verbesserung der Lebensverhältnisse gelöst werden können.

Ähnliche  Erfahrungen führte Seehofer auch aus Bayern an, wo eines seiner Ziele stets gewesen sei, unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten zwischen Ballungs- und Randräumen auszugleichen, um neue Perspektiven und Potenziale zu erschließen, gesellschaftliche Polarisierungen und Spaltungen zu heilen und mit den Siedlungsräumen auch kulturelle Vielfalt zu erhalten. Doch selbst wenn ihm aus diesen Gründen Vielfalt über Einfalt gehe, gelte es, sich mit der Frage zu beschäftigen, was unsere Identität eigentlich ausmache und was „im Zusammenleben unserer Bevölkerung“ verbindlich sei.

Die Vertriebenen hätten beispielhaft vorgelebt, dass man „nicht nebeneinander oder gar gegeneinander“, sondern nur miteinander leben könne. Dies hätten sie nicht nur mit ihrer „Integration“, sondern auch mit ihrem ehrenamtlichen Engagement immer wieder unter Beweis gestellt. Aufgrund dessen benötige man die Vertriebenen und Spätaussiedler auch in diesem Bereich mit ihren Erfahrungen und ihrem Einsatz als Partner, so Seehofer, dessen Bekenntnis: „Ich trete entschieden als Bundesinnenminister dafür ein, dass dieser Tag der Heimat für immer seine Bedeutung behalten wird“, mit großem Applaus bedacht wurde.

Weitere Zusammenführung Europas als wichtiges Ziel

Im Geistlichen Wort deutete der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, das Leitwort aus geistlicher Sicht. So gelte es, abseits von juristischen Auseinandersetzungen über „Unrechtsdekrete“ und trotz existierenden Unrechts das Zusammenleben zwischen den Menschen zu gestalten – „zu einer Form des Miteinanders zu kommen, die diese Frage nicht ausklammert, aber doch ein Miteinander möglich macht“. Es sei wichtig, wie im Leitwort enthalten, „das gemeinsame Haus Europa nicht zu vergessen“, es zusammenzuführen und zukünftig weiter auszubauen.

Ganz im Sinne dieses Leitwortes konnte neben den schon traditionell die Veranstaltung musikalisch umrahmenden Potsdamer Turmbläsern unter Bernhard Bosecker der Chor des Deutschen Freundschaftskreises Broschütz (Oberschlesien) namens „Brosci Chorus“ in Berlin begrüßt werden und brachte einige Lieder aus seinem Repertoire dar.

Würdiges Totengedenken an der „Ewigen Flamme“

Beim würdigen Totengedenken am Mahnmal der deutschen Heimatvertriebenen, der „Ewigen Flamme“ auf dem Berliner Theodor-Heuss-Platz, sprachen wie im Vorjahr der Berliner Innensenator Andreas Geisel, der Berliner Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Staatssekretär a.D. Rüdiger Jakesch, sowie BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius. Die höchsten Staatsämter, die Bundesländer, die Landsmannschaften sowie viele weitere gesellschaftliche Gruppen ließen zu Ehren der Toten Kränze niederlegen.

Marc-P. Halatsch

Gruppenbild mit dem Bundesinnenminister (v.l.n.r.): Christian Knauer, Milan Horáček, Dr. Bernd Fabritius, Horst Seehofer, Dr. Maria Werthan, Siegbert Ortmann, Parlamentarischer Staatssekretär Stephan Mayer MdB, Albrecht Schläger, Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Arnold Tölg (Foto: BdV/Bildkraftwerk)
BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius begrüßt Bundesinnenminister Horst Seehofer beim Tag der Heimat (Foto: BdV/Bildkraftwerk)
BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius (Foto: BdV/Bildkraftwerk)
Kranzniederlegung an der Ewigen Flamme (vorne v.l.): Innensenator Andreas Geisel, BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, BdV-Landesvorsitzender Rüdiger Jakesch (Foto: BdV/Bildkraftwerk)
Kranz des Landesverbandes Niedersachsen

Pressemitteilung: Aus dem Bund - Klausurtagung des Bundesausschusses

Am 17. und 18. April 2018 fand in Berlin eine Klausurtagung des Bundesausschusses statt. Neben den Berichten aus den Landesverbänden und den Landsmannschaften konnten die Mitglieder des Bundesausschusses intensiv über wichtige Fragen zur Zukunft des Verbandes diskutieren. Dabei stand der Erinnerungstransfer von der Erlebnisgeneration zur Bekenntnisgeneration im Mittelpunkt der Diskussion. Präsident Dr. Bernd Fabritius stellte erste Überlegungen hinsichtlich möglicher Satzungsänderungen vor, bei denen es um die Weiterentwicklung der Inhaltsbestimmungen und eine Erweiterung des Verbandsnamens ging.


Hierzu ein Ausschnitt aus der "Welt" vom 18.04.2018:


... Im Bund der Vertriebenen gibt es Überlegungen, den Namen an die heutige Zeit anzupassen. BdV-Präsident Fabritius findet, dass Vertreibung als einzige Klammer der Zusammengehörigkeit nicht mehr ausreicht. Zur AfD geht er auf Distanz.


Der Bund der Vertriebenen (BdV) erwägt gut 60 Jahre nach seiner Gründung, seinen Namen zu ändern. „Der Name Bund der Vertriebenen ist, wenn er die Vertreibung als einzige Klammer der Zusammengehörigkeit darstellt, nicht mehr vollständig“, sagte der BdV-Präsident Bernd Fabritius (CSU) auf WELT-Anfrage. Er habe eine interne Debatte darüber angestoßen, wie der Verbandsname erweitert werden könne.


Die Vertreibung gehöre zur Identität des Verbandes, so Fabritius weiter. Allerdings seien inzwischen „sehr viele Menschen in unserem Verband vereint, die nie vertrieben wurden“. Außerdem hätten sich die Aufgaben weiterentwickelt. „Das, was wir abdecken, ist inzwischen viel mehr, als nur diesen historischen Moment Vertreibung zu thematisieren.“...


Die Klausurtagung verlief sehr harmonisch. Alle Teilnehmer waren sich darüber einig, dass eine 2-tägige Klausur auch zukünftig stattfinden sollte, um die Zusammenarbeit zwischen der Länder- und der Bundesebene zu verbessern. Nach Auskunft des BdV-Präsidenten Dr. Fabritius wird die Bundesgeschäftsstelle von Bonn nach Berlin umziehen, sobald geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.


Für den Landesverband Niedersachsen nahm die Landesvorsitzende Editha Westmann an der Bundesausschusssitzung teil. "Ich freue mich sehr, dass wir die wichtigen Fragen zu unseren Verbandsstrukturen einmal ausführlich besprechen konnten. "Ich werde meinem Landesvorstand die Überlegungen der Bundesebene vorstellen, um eine Meinungsbildung voranzubringen", so Editha Westmann.

Pressemitteilung des BdV zur Ernennung von Dr. Bernd Fabritius zum Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Dr. Bernd Fabritius wird Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Stephan Mayer wird Staatssekretär im Innenministerium

In München wurden heute diejenigen Parteivertreter vorgestellt, die für die CSU in der zukünftigen Bundesregierung eine Aufgabe übernehmen sollen. Dazu erklärt BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius in einer ersten Reaktion: 

Es ist für mich eine große Ehre, dass die CSU mir heute das Vertrauen ausgesprochen und mich als neuen Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten benannt hat. 

Diese wichtige Aufgabe ist für mich eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Ich trete dabei in die großen Fußstapfen von etwa Horst Waffenschmidt, Dr. Christoph Bergner, Hartmut Koschyk oder auch Dr. Günter Krings – und werde mit vollem Einsatz daran arbeiten, diese auszufüllen.

Außerdem begrüße ich die Entscheidung, dass BdV-Vizepräsident Stephan Mayer Parlamentarischer Staatssekretär beim zukünftigen Bundesminister des Innern, Horst Seehofer, werden soll. 

Auch wenn es zu weiteren Einzelheiten des Aufgabenzuschnitts und der Zuordnung im Rahmen der Regierung noch keine Informationen gibt, ist mit diesen Personalentscheidungen schon sichergestellt, dass die Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler sowie der deutschen Minderheiten in ihren Heimat- und Siedlungsgebieten weiterhin an höchster Stelle engagiert vertreten werden.

Pressemitteilung zu den Personalentscheidungen im Bundesministerium des Innern

Pols: Vertriebenenpolitik hat für die Union weiterhin hohen Stellenwert

Wichtige Personalentscheidungen begrüßt

Am 5. März 2018 wurde der Erste Stellvertretende Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Stephan Mayer, zum neuen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern berufen und Bernd Fabritius zum neuen Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten ernannt. Dazu erklärt der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Eckhard Pols:

„Die Berufung von Stephan Mayer zum neuen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern und die Ernennung unseres früheren Bundestagskollegen Bernd Fabritius zum neuen Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten sind richtige und wichtige Entscheidungen. Beide Personalien machen deutlich, welch großen Stellenwert die neue unionsgeführte Bundesregierung den Interessen der deutschen Heimatvertriebenen, der Aussiedler und Spätaussiedler und nicht zuletzt der deutschen Minderheiten in den Staaten Mittelost- und Südosteuropas weiterhin beimisst.

Beide Persönlichkeiten haben sich auch in ihren gesellschaftlichen Funktionen als Präsident und Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen seit Jahren um die Interessen dieser für CDU und CSU bedeutenden Personengruppen verdient gemacht. Ihre Berufung auf wichtige Positionen in der neuen Bundesregierung untermauert das fortdauernde Bekenntnis der Unionsparteien für die Interessen dieser Gruppen.

Auch der Koalitionsvertrags macht wichtige Aussagen zur politischen Ausgestaltung der entsprechenden Themenbereiche. Umso mehr freue ich mich auf eine enge, vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Stephan Mayer und Bernd Fabritius. Die Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass sowohl das Themenfeld der Vertriebenenpolitik als auch die politischen Interessen der Aussiedler, Spätaussiedler und deutschen Minderheiten den ihnen gebührenden Stellenwert erhalten.“

Seminarreise nach Slowenien 10.2017/Situation und Besuch von deutschen Volksgruppen

Das Deutsch-Europäische Bildungswerk Hessen e.V. (DEB), ein Verein des BdV Landesverbandes Hessen, veranstaltete im Oktober 2017 eine Seminarreise nach Slowenien, um sich über dortige deutsche Volksgruppen –die Gottscheer z.B. sind dort seit dem 14. Jahrhundert ansässig–  und deren aktuelle Lage in Slowenien zu informieren, da es dort keinen Minderheitenschutz u.a. für die deutsche Volksgruppe gibt.

Mehr Engagement der deutschsprachigen Volksgruppe von Nöten

Seminarreise nach Slowenien brachte es an den Tag


Beim Thema „deutschsprachiger Minderheitenschutz“ bestehen im EU-Land Slowenien weiterhin erhebliche Ressentiments bei der Bevölkerung und vor allem den offiziellen Stellen in der Gesellschaft. Dabei dürfte der Zweite Weltkrieg und die danach erfolgte fast vollständige Vertreibung der im ehemaligen Jugoslawien lebenden Deutschen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Und dies erfuhr auch eine 36-köpfige Gruppe aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland, die kürzlich mit dem Deutsch-Europäischen- Bildungswerk Hessen e.V. (DEB) eine äußerst interessante Seminarreise nach Ljubljana/Laibach und Umgebung aus der Reihe “Begegnung und Verständigung im gemeinsamen europäischen Haus“ unternahmen. Veranstaltungen dieser Art werden vom Bundesministerium des Inneren in Berlin gefördert und vom DEB seit vielen Jahren in die Länder der ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete mit viel Erfolg durchgeführt. Nun wurde erstmals das südosteuropäische Land Slowenien aufgesucht, das übrigens seit 2004 der Europäischen Union als Mitglied angehört und seit 2007 den EURO als Währung hat. Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Hessen, Siegbert Ortmann (Lauterbach), der auch Initiator und Leiter dieses einwöchigen verständigungspolitischen Seminars war, hatte gerade dieses Reiseziel ausgesucht, um vor Ort die vorhandene Problematik der heutigen deutschsprachigen Gemeinschaft in Slowenien mit 3000 bis 5000 Angehörigen genauer zu erkunden.

Die Veranstaltung begann mit den Statements des Vertreters des Auswärtigen Amts von Slowenien, Miran Kresal, des Kulturattaches der deutschen Botschaft Peter Lange sowie der Geschäftsführerin der Deutsch Slowenischen IHK, Gertrut Rantzen. Dabei wurde einhellig klargestellt, dass die bilateralen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Slowenien momentan sehr gut sind. Und davon konnten sich die Seminarteilnehmer bei einer wenige Tage späteren Besichtigung des großen Adria-Hafens in Capodistria/Koper, auch als „slowenisches Fenster in die weite Welt“ genannt, augenscheinlich überzeugen. Dort werden u.a. ständig große Mengen von aus Deutschland angelieferten Produkten bis zu ihrer weltweiten Verschiffung gelagert.

Bei den an den Folgetagen durchgeführten Rathausempfängen und Stadtbesichtigungen in Laibach, Cilli, Maribor, Bled und Piran wurden sehr häufig historische Relikte aus der Jahrhunderte langen deutschsprachigen

Vergangenheit dieser Region deutlich, doch vermeintliche gegenwärtige Probleme mit einer deutschsprachigen Minderheit in Slowenien wurden zumindest von offizieller Seite daraus nicht abgeleitet. Im Gegenteil, von dem Bürgermeister in Celje/Cilli, Bojan Srot wurde bei einem im Übrigen sehr angenehmen und herzlichen Empfang im Rathaus auf Nachfrage eines Seminarteilnehmers kurzerhand darauf verwiesen, dass es eine deutschsprachige Minderheit zumindest in seiner Stadt gar nicht gebe. Ganz anders äußerten sich dann aber bei Begegnungen in den Kulturzentren in Maribor und Krapflern die dortigen Vertreter der deutschsprachigen Volksgruppe und der sog. Gottscheer Deutschen. Ihre deutschen Kulturvereine setzen sich seit vielen Jahren auf der Grundlage von Versöhnung und Verständigung gemeinsam für die Anerkennung der Deutschen als autochthone Volksgruppe in der slowenischen Verfassung ein und organisieren in den Vereinsräumen mit ihren Angehörigen ein überaus reges gesellschaftliches Leben, vor allem auch mit Kindern und Jugendlichen. Und durch zahlreiche Publikationen schaffen diese Vereine darüber hinaus auch ein größeres Bewusstsein über die außerordentlichen deutschen Errungenschaften auf dem Gebiet der Kultur in der Vergangenheit bei der slowenischen Mehrheitsbevölkerung und damit sogar eine gewisse Anerkennung der deutschsprachigen Bewohner bei der aktuellen Landesentwicklung. Die Vorsitzende des Kulturvereins der deutschsprachigen Frauen BRÜCKEN, Veronika Haring, (Maribor) führte dazu in einem sehr anschaulichen und recht emotionalen Vortrag über die heutige Lage der Deutschen Minderheit in Slowenien u.a. wörtlich aus: “Leider gibt es immer noch Menschen, die den deutschsprachigen Bewohnern hierzulande feindlich gesinnt sind, doch es werden mit jedem Tag weniger und es überwiegt die Meinung, dass es sich dabei um eine kulturell ungebildete und ideologisch verblendete Minderheit handelt. Meiner Überzeugung nach befinden wir uns mit unserer Tätigkeit auf dem richtigen Weg, der auch der kürzeste ist zu der rechtlichen Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit seitens der Republik Slowenien“.

In einem äußerst interessanten Koreferat mit Prof. Dr. Miran Komac, von der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität Ljubljana, und Rechtsanwalt Mag. Rudolf Vouk als Vertreter der slowenischen Minderheit in Kärnten ging es vor allem um das Thema „Minderheiten als Brücke zur Verständigung zwischen den Völkern“. Dabei wurde am Beispiel der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen von 1998 deren unterschiedliche Umsetzung in Österreich und Slowenien verständlich herausgearbeitet und mit den Seminarteilnehmern lebhaft diskutiert. Unterstützt wurde diese Veranstaltung, wie übrigens das gesamte Wochenprogramm von dem Politikwissenschaftler und Mitarbeiter von Socialna akademija, Mario Plesej, der dankenswerterweise zum Teil auch als Dolmetscher fungierte und im Übrigen in seiner Art der Kommunikation ein Gewinn für den ganzen Seminarverlauf war.

Die dunkle Geschichte und Erinnerungskultur im 20. Jahrhundert wurde den deutschen Seminarteilnehmern beim Besuch des Museums der neueren Geschichte Sloweniens in Laibach und der Besichtigung der sehr versteckt gelegenen Partisanengedenkstätte „Baza 20“ in den ausgedehnten Waldungen der hohen Berge oberhalb des Kurortes Toplice/Töplitz in der historischen Region der Gottscheer augenscheinlich nähergebracht. Und auch die Begegnung mit dem Verein der Vertriebenen Sloweniens 1941 – 1945 ließ noch heute vorhandene Wunden bei den Opfern der deutschen Besatzungsmacht aus jener Zeit erkennen und die Vorsitzende Prof. Ivica Znidarsic bat dafür um Verständnis bei ihren Zuhörern nach ihrem Referat „Organisiertheit der slowenischen Vertriebenen und Zwangsarbeiter und die Bestrebungen zur Geltendmachung der Rechte auf Kriegsentschädigung“.

Beim Abschluss des Seminars anlässlich eines Empfangs im Rathaus von Piran/Pirano ging der dortige Bürgermeister Peter Bossmann, der sich schon wegen seiner dunklen Hautfarbe als ehemaliger westafrikanischer Migrant outete, u.a. auf die Lage der italienischen Minderheit und das zivilgesellschaftliche Leben in seiner multikulturellen Stadt ein und verriet auf Nachfrage zur deutschsprachigen Minderheitenpolitik in Slowenien einen wohlgemeinten überaus treffenden Vorschlag, wonach sich nämlich die Vertreter dieser Volksgruppe doch engagierter (!) für ihr Anliegen einsetzen sollten.

Auf der Rückreise nach Deutschland dankte die Teilnehmerin Dr. Maria Werthan, auch Präsidentin des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen in Deutschland, in aller Namen dem Seminarleiter Siegbert Ortmann und den begleitenden BdV-Mitarbeitern Jolanta Lemm und Hubert Leja von der BdV-Landesgeschäftsstelle in Wiesbaden für die bestens organisierte und problemlos durchgeführte Bildungsreise in ein mehr oder weniger bekanntes EU-Land mit der vorgegebenen Minderheitenproblematik und allen Teilnehmern darüber hinaus für das angenehme und äußerst disziplinierte Miteinander während des gesamten Aufenthalts in Slowenien.

 

Siegbert Ortmann

Gesamte Reisegruppe bei der Stadtbesichtigung in Ljubljana/Laibach (Foto: mjg)
Veronika Haring bei ihrem Vortrag (Foto: mjg)
Seminarteilnehmer im Partisanenlager „Baza 20“ (Foto: mjg)
Prof. Miran Komac und RA Rudolf Vouk beim Koreferat (Foto: mjg)
Bürgermeister Peter Bossmann in Piran mit Dolmetscherin und Seminarleiter (Foto: mjg)

Veranstaltungsreihe der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen gemeinsam mit dem Collegium Albertinum in Göttingen und dem BdV-Landesverband Niedersachsen e.V.am 30.06. und am Sonnabend, 14.10.2017 in Göttingen zur Reformation in den böhmischen Ländern.

 

Von Pommern bis Schlesien – Über die Vielfalt reformatorischer Entwicklungen im Osten


Martin Luthers berühmter Thesenanschlag von 1517 markiert den Beginn der Reformation – ein Ereignis, das in seinen Auswirkungen auf Politik, Religion, Kultur und Gesellschaft weltgeschichtliche Bedeutung erlangte. Mit einer Vielzahl kirchlicher, staatlicher und kultureller Projekte werden im Jahr 2017 in Deutschland die verschiedenen Bedeutungsebenen der Reformation beleuchtet. Was hierbei jedoch in den Hintergrund zu treten droht, ist die Entwicklung der Reformation in den innerhalb und außerhalb der damaligen Reichsgrenzen gelegenen Landschaften des historischen deutschen Ostens, Regionen, die Wesentliches zum Durchbruch der reformatorischen Ideen beigetragen haben.

Diese von fachkundiger Seite zu betrachten, war bzw. ist die Intention zweier von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen gemeinsam mit dem Collegium Albertinum in Göttingen und dem BdV-Landesverband Niedersachsen e.V. durchgeführter Vortragsveranstaltungen. Behandelt werden – nachdem im vergangenen Jahr bereits Ostpreußen thematisiert wurde – Pommern, Schlesien, die Böhmischen Länder und Siebenbürgen, mithin Regionen, die in je eigener Weise von reformatorischen Bestrebungen ergriffen und geprägt wurden.

Den ersten Vortragsnachmittag im Göttinger Collegium Albertinum eröffnete nach einem Grußwort des Hausherrn Prof. Dr. Jürgen Bloech der Ehrenvorsitzende der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Hans-Günther Parplies, dessen Initiative die Vortragsreihe zu verdanken ist. Pfarrer Mag. theol. Ulrich Hutter-Wolandt aus Berlin gestaltete den Nachmittag mit Vorträgen über die Reformation in Pommern und in Schlesien. Der Referent, der bereits mehrere Bücher zum Thema der schlesischen Kirchengeschichte verfasst hat und Mitglied im Vorstand des Vereins für Schlesische Kirchengeschichte ist, stellte den 1485 im pommerschen Wollin geborenen Johannes Bugenhagen vor, der zunächst als  Schulrektor im bei Treptow an der Rega gelegenen Prämonstratenserstift Belbuck wirkte und dabei die „Pomerania“ schuf, ein Werk, das nicht nur eine
Materialsammlung zur Geschichte Pommerns bot, sondern auch in eine umfassende Darstellung der pommerschen Geschichte münden sollte – eine absolute Pionierarbeit.

Bugenhagens Hinwendung zur Reformation erfolgte im Jahre 1520 über die Auseinandersetzung mit Luthers Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“. 1521 machte Bugenhagen sich nach Wittenberg auf, wo er Luther noch vor dessen Abreise zum Wormser Reichstag begegnete und sich für das Studium der Ev. Theologie an der Universität einschrieb. Es folgte die Veröffentlichung einer Reihe biblischer Bücher, Promotion und
1535 Ernennung zum Professor der Theologie in Wittenberg. 1523 bereits wählten der Rat und die Kirchengemeinde den „Priester Johann Pomer“ zum Pfarrer an der Stadtkirche St. Marien – ein Amt das er bis zu seinem Tode 1558 mit großem Engagement ausfüllen sollte.

Hutter-Wolandt stellte die besonderen Verdienste des Pommern bei der kirchen- und ordnungsrechtlichen Gestaltung der jungen reformatorischen Kirche heraus. Wo immer es um die Neugestaltung der Kirchenordnungen ging, wurde Bugenhagen gerufen. Wichtige Stationen waren: Braunschweig, Braunschweig-Wolfenbüttel, Hildesheim, Hamburg, Lübeck, Holstein, Schleswig sowie Dänemark und Norwegen. Insofern war er neben Melanchthon und Lucas Cranach eine entscheidende Figur für die Ausbreitung und Absicherung der Reformation.
Nicht zuletzt aber aus seiner pommerschen Heimat kamen Anfragen zur Einführung der Reformation. Im Jahre 1534 hielt sich Bugenhagen im Zusammenhang einer Visitation in Belzig auf; hier erreichte ihn die Anfrage, zum Landtag nach Treptow a.d. Rega zu kommen, um dort an den Beratungen Verhandlungen zur Einführung der Reformation teilzunehmen. Es sollte eine Ordnung für ein ganzes Territorium geschaffen werden, in dem Ansprüche der Fürsten und lokale Begebenheiten zu berücksichtigen waren. Mit der schon 1535 in Wittenberg im Druck erschienenen Kirchenordnung Pommerns schuf Bugenhagen die Grundlage für die weitere Gestaltung kirchlichen Lebens im Herzogtum.

Ganz anders gestaltete sich die Entwicklung der Reformation in Schlesien.
Am Ende des Mittelalters war die Lage der Kirche im zur Krone Habsburgs gehörenden Schlesien von stetem Niedergang bestimmt, der mit in verstärkter Laienfrömmigkeit und dem Aufkommen humanistischen Gedankengutes einherging. Es blühten zu dieser Zeit die Wissenschaften, und das Land schien berufen eine führende Stellung auf wissenschaftlichem Gebiet zu übernehmen.

So entwickelte sich innerhalb der Kirche am Ende des 15. Jahrhunderts ein starker Unwille gegen den geistlichen Stand, nicht nur beim einfachen Kirchenvolk, sondern auch bei den meisten schlesischen Fürsten. Sie nahmen hier Gedanken auf, die zu Beginn des Jahrhunderts über Böhmen nach Schlesien gekommen waren und zum Ziel hatten, die freie Predigt des Evangeliums in der Muttersprache zu ermöglichen. Besonders der Ablasshandel mit seinen hohen Geldforderungen ließ Unmut gegen die Kirche aufkommen. Diese Missstimmung im Volk erkannte auch das Breslauer Domkapitel und versuchte die Fortsetzung der Ablasspredigt zu verhindern. Doch nicht nur dies trug zu einer antirömischen Stimmung bei.

Über die Anfänge der Reformation in Schlesien fehlen sichere Belege. Es lässt sich nicht im Einzelnen nachweisen, wann und wo die Gedanken Luthers in Schlesien zuerst auftraten. Aus den Protokollen des Breslauer Rates wissen wir, dass dies sehr früh geschehen sein muss, sicherlich aber nicht vor 1519. Mittler waren wohl Studenten und Kaufleute, die über Wittenberg die reformatorische Botschaft nach Schlesien brachten. Besonders die Leipziger Disputation von 1519 förderte in Schlesien das Interesse für die „causa Lutheri“. Im Jahre 1520 musste das Breslauer Domkapitel einräumen, dass es in der Stadt eine Lutherische Partei gebe. Schon im Jahre 1522 gibt es Belege dafür, dass zum Beispiel in Freystadt, im Breslauer Bernhardinkloster St. Jakob und in Neukirch/a. Kynast evangelisch gepredigt wurde.

Schlesien war indes kein einheitliches Territorium wie etwa der Ordensstaat Preußen oder das Herzogtum Pommern, in denen die Reformation obrigkeitlich eingeführt wurde. Wohl stand Schlesien bis 1526 unter der Oberherrschaft der böhmischen Krone und gehörte seit 1526 zum Hause Habsburg. Aber es war aufgeteilt in eine Fülle von Herzog- und Erbfürstentümern sowie Standesherrschaften. Die Landesherren hatten am Ausgang des Mittelalters zahlreiche Rechte von der Kirche in ihren Territorien erworben, unter denen das Besetzungsrecht der geistlichen Stellen besonders wichtig war. Die jeweilige religiöse Einstellung des Landesherrn war also dafür maßgeblich, ob und wann er sein Gebiet der Reformation öffnete. Es hat deshalb auch in Schlesien keine prägende Reformatorengestalt wie etwa im Preußenland Herzog Albrecht, in Pommern Johannes Bugenhagen oder in Siebenbürgen Johannes Honterus gegeben. Aus diesem Grund kann man die Reformationsgeschichte in Schlesien nicht im Ganzen betrachten; vielmehr hat jedes einzelne Gebiet in Schlesien seine eigene Reformationsgeschichte. Hutter-Wolandt stellte beispielhaft ausgewählte Regionen vor: Breslau, die Fürstentümer Liegnitz-Brieg-Wohlau, die Grafschaft Glatz und Oberschlesien.

Es war ein spannender Nachmittag, der nicht nur bei den Teilnehmern zu vielen kirchenhistorischen Fragen anregte, sondern auch das Verhältnis von Kirche und Staat und die Rolle der Kirche in dieser Gesellschaft thematisierte. Vergleichbares ist für den zweiten Vortragsnachmittag am 14. Oktober 2017 zu erwarten, bei dem an gleicher Stelle die nicht minder vielfältige Entwicklung der Reformation in den Regionen des Südostens in den Blick genommen werden soll.

Ulrich Hutter-Wolandt/ Ernst Gierlich

Johannes Bugenhagen, Öl auf Holz von Lucas Cranach d.J. Lutherhaus Wittenberg(Foto: Ulrich Hutter-Wolandt)
Epitaph für den Reformator Johann Heß im Nationalmuseum Breslau/Wroclaw(Foto: Ulrich Hutter-Wolandt)
Pfarrer Mag. theol. Ulrich Hutter-Wolandt(Foto: Barbara Wolandt)
Prof. Dr. Jürgen Bloech(Foto: Ernst Gierlich)
Hans-Günther Parplies(Foto: Ernst Gierlich)

Konfessionalisierung im Südosten

Göttinger Vortragsreihe der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bildete im Jahr 2017 der Wittenberger Thesenanschlag Martin Luthers vor genau 500 Jahren den Anlass für das mit einer Vielzahl von Publikationen, Veranstaltungen und Medienberichten begangene Reformationsgedenken, so brachte dies zwangsläufig eine Fokussierung auf die Reformation Lutherischer Prägung mit sich. Für die Heimatregionen der deutschen Vertriebenen, insbesondere die außerhalb der früheren Reichsgrenzen gelegenen Landschaften und Territorien des mittleren und östlichen Europa, deren evangelische Prägung bis heute lebendig ist oder zumindest nachwirkt, gilt es indes, die beachtliche konfessionelle Vielfalt zu beachten, die sich nicht allein unter Einfluss Luthers, sondern auch bereits vor ihm, neben ihm und nach ihm entfaltete. Es kann hier auf Hussiten, Utraquisten, Böhmische Brüder, Calvinisten, Unitarier und weitere Glaubensgemeinschaften verwiesen werden.

Die dortigen Entwicklungen von fachkundiger Seite zu beleuchten, unternahm die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen im Zusammenwirken mit der Göttinger Gemeinnützigen Gesellschaft Albertinum mittels einer vom BdV-Landesverband Niedersachsen geförderten Vortragsreihe. Im Herbst 2017 wurden, nachdem bereits Ostpreußen, Pommern und Schlesien thematisiert worden waren, die Böhmischen Länder, Oberungarn und Siebenbürgen in den Blick genommen, Regionen, die in je eigener Weise von den reformatorischen Bestrebungen ergriffen und geprägt wurden. Zahlreiche Interessenten, keineswegs nur aus Göttingen selbst, sondern auch auswärtige Sudetendeutsche und Mitglieder der Kreisgemeinschaft der Siebenbürger Sachsen sowie Mitglieder des Akademischen Freundeskreises Ostpreußen konnten Hans-Günther Parplies, Ehrenvorsitzender der Kulturstiftung, und Prof. Dr. Jürgen Bloech, Vorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Albertinum, im Collegium Albertinum begrüßen.

Haben sich die mit Kultur und Geschichte der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete befassten Institutionen bemüht, die im Gedenkjahr unterrepräsentierte Entwicklung der Reformation in diesen Regionen nachzuzeichnen, so gilt dies nicht zuletzt für das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam, das hierzu eine vielbeachtete Wanderausstellung nebst diversen Begleitheften präsentiert hat. Dessen Direktor Dr. Harald Roth, selbst Siebenbürger Sachse, widmete seinen Göttinger Vortrag nun der Einführung der Reformation in Siebenbürgen, für die als Repräsentant der Johannes Honterus steht. Machte sich, so Dr. Roth, in den ungarischen Städten bereits seit den frühen 1520er Jahren der Einfluss reformatorischer Ideen bemerkbar, erfolgte der Durchbruch doch erst nach der Dreiteilung Ungarns und der Verselbständigung des Fürstentums Siebenbürgen im Jahre 1541. Honterus, ein umfassend humanistisch gebildeter Handwerkerssohn, also kein Theologe, wurde Stadtpfarrer in Kronstadt. Er enthielt sich politisch klug sowohl Angriffen auf die alte Kirche als auch des ausdrücklichen Bezuges auf die Wittenbergische Reformation. Verstand man sich dabei in Kronstadt, anders als in Hermannstadt, zunächst noch als Teil der Katholischen Kirche, so vollzog 1544 die gesamte „Sächsische Nation“, also der bürgerliche deutsche Stand des Fürstentums, den Bruch mit ihr offiziell, erließ man 1550 eine Kirchenordnung aller Deutschen, die das gesamte klassische Programm der Reformatoren enthielt.  Entsprechend dem auf Konsens ausgerichteten Zusammenwirken der Stände – Deutsche, Adel, Szekler – blieb in der Folge jedoch die Glaubensfreiheit der Anhänger von lutherischem und katholischem Glauben gewahrt, wurde diese bald auch den Anhängern des schweizerischen (reformierten) Glaubens sowie des Anti-Trinitarismus zugestanden. Ebenso tolerierte man die im Lande allerdings nur gering vertretene Ostkirche. Den die Oberhoheit über Siebenbürgen ausübenden muslimischen Osmanen waren die Konfessionsfragen im Übrigen völlig gleichgültig, so dass es auch noch im frühen 17. Jahrhundert keinerlei Versuche der Durchsetzung einer bestimmten Konfession gab, anders als in den benachbarten habsburgischen Gebieten. Die deutschen Städte Siebenbürgens profitierten damals vielmehr von der katholischen Gegenreformation, da man lutherische Glaubensflüchtlinge in den Städten gerne aufnahm. Nach der Zurückdrängen des Osmanen durch die Habsburger in den 1680er Jahren waren die siebenbürgischen Stände geschickt genug, dem Kaiser die Zusicherung ihrer Landesverfassung abzuringen und damit die Religionsfreiheit zu behaupten. Spätere kaiserliche Toleranzedikte blieben somit für Siebenbürgen ohne Belang.

Prof. Dr. Rudolf Grulich, gebürtiger Sudetendeutscher, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien in Nidda, beschrieb die Reformation in den Böhmischen Ländern, näherhin in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien, zudem in Oberungarn, d.h. in der unter der Stephanskrone stehenden heutigen Slowakei. In den Böhmischen Ländern wirkten demnach bereits vor dem 16. Jahrhundert als Träger berechtigter Kirchenkritik Petrus Waldes und Jan Hus, auf die sich Luther später, nach dem Ende des radikalen Hussitentums, berufen sollte, ohne ihnen allerdings einen direkten Einfluss auf die Entwicklung seiner Theologie zuzusprechen. Luthers Gedanken und die deutsche Reformation stießen in Böhmen auf fruchtbaren Boden, zumal der Habsburgische König Ferdinand I. die Gewissensfreiheit der protestantischen Stände zunächst akzeptierte. Erst nach dem Ende des Schmalkaldischen Krieges 1547 bzw. des gegen ihn gerichteten böhmischen Aufstands verweigerte der König den Ständen, anders als in Österreich, unter Berufung auf seinen Krönungseid die Zulassung der Confessio Augustana von 1530, unternahm er eine planmäßige Rekatholisierung. Trotz großer Spannungen im nichtkatholischen Lager entstand in der Folge im Zusammenwirken von Lutheranern, Neu-Utraquisten und Böhmischen Brüdern im Jahre 1575 die Confessio Bohemica, die von den Ständen Kaiser Maximilian II. als „einhelliges Glaubensbekenntnis“ übergeben und von diesem unter mündlicher Zusicherung der freien Ausübung der Religion anerkannt wurde. Noch vor der Confessio Bohemica formulierte man in Oberungarn 1559 die Confessio Montana und zwei weitere Bekenntnisschriften deutscher Städte. Auch hier stand man in der Tradition der Hussitenbewegung und des Waldensertums sowie unter dem Einfluss der Lutherischen Reformation. Ein Vergleich der vier von Kaiser Ferdinand I. als König von Ungarn anerkannten Bekenntnisschriften zeigt deren enge Anlehnung an die Confessio Augustana, jedoch unter weitgehendem Verzicht auf deren Kritik an der Katholischen Kirche. Gemäß Professor Grulich hätten die genannten, auf Versöhnung angelegten Confessiones, wie auch später die Confessio Bohemica, das Potential gehabt, ein gemeinsames Glaubensverständnis mit der alten Kirche zu erzielen.
 

Bis heute überdauern die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Glaubensgemeinschaften in der betrachteten Region, im rumänischen Siebenbürgen so auch die deutschsprachige, allerdings durch Auswanderung stark geschwächte Evangelische Kirche A.B., so dass sich dort ein buntes Bild der Kirchen in einem Staat bietet, dessen Bevölkerung zu über 80 % der orthodoxen Kirche angehört. Stellen die Angehörigen der vielfältigen reformatorischen Kirchen in der heutigen Slowakei eine schwache Minderheit gegenüber der katholischen Mehrheit dar, so stehen diese in Tschechien gar gemeinsam mit den Katholiken einer ganz überwiegend glaubensfernen Gesellschaft gegenüber. Sich mit der Zeit der Konfessionalisierung näher zu beschäftigen, die damals entstandenen, auf die Verständigung und Versöhnung der verschiedenen Bekenntnisse ausgerichteten Confessiones ernst zu nehmen, kann in dieser Situation, wie Professor Grulich abschließend ausführte, als Chance für die Christen begriffen werden – auch über die Region hinaus.

 

Dr. Ernst Gierlich

Hans-Günther Parplies und Prof. Dr. Jürgen Bloech
Dr. Harald Roth
Prof. Dr. Rudolf Grulich
Plenum

Schlesiertreffen in Hannover stand unter dem Zeichen der Versöhnung

Das Treffen der Schlesier vom 23. bis 25. Juni 2017 in Hannover stand unter dem Motto "Schlesien begeistert". Drei Tage diente Hannover als Ort der Begegnung aber auch der Verständigung und der Freundschaft.

Am Freitag hatte die CDU Fraktion im Niedersächsischen Landtag zu einem Empfang eingeladen, an dem der Vizepräsident des Landtages, Karl-Heinz Klare und der Landtagsabgeordnete Christian Calderone neben Editha Lorberg, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, teilnahmen.

Editha Lorberg begrüßte unter den zahlreich anwesenden Damen und Herren den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien, Stephan Rauhut, der die Gäste auf das Treffen einstimmte.

Am Samstag folgte die feierliche Eröffnung des Schlesiertreffens im Hannover Congress Centrum. Die Festrede hielt der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Er warb in seiner Rede für ein starkes und friedliches Europa. Das Grußwort der BdV-Landesvorsitzenden Editha Lorberg finden Sie im Anschluss an diesen Bericht.

Am Sonntag fand die politische Kundgebung statt. Der Einmarsch der Blaskapelle aus Diekholzen, der Trachtengruppen und der Fahnen bot den mehr als 3000 Gästen ein schönes und berührendes Bild. Viele Anwesende verbinden mit den Liedern, Fahnen und Trachten persönliche Erinnerungen an die alte Heimat.

Stephan Rauhut betonte in seiner Ansprache, dass die Arbeit der Landsmannschaft noch längst nicht überflüssig sei. Es müsse mit Nachdruck an einem Austausch mit Polen gearbeitet werden. Das sei zur Zeit nicht ganz einfach, doch man dürfe jetzt nicht nachlassen, ein zukunftsweisendes Miteinander einzufordern. Rauhut dankte der Landesregierung für die Unterstützung des Schlesiertreffens, machte aber auch deutlich, dass die Patenschaft zu Schlesien dauerhaft finanziell gesichert sein muss.

Für viele der Gäste des Schlesiertreffens stand das Rahmenprogramm im Mittelpunkt ihres Besuches. Neben Darbietungen der schlesischen Kultur brachte der Heimatabend große Freude. Die Gottesdienste im Rahmen des Schlesiertreffens fanden ebenfalls großen Zuspruch.

Editha Lorberg, BdV Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete war an allen drei Tagen beim Schlesiertreffen präsent. Sie hat durch ihren Vater schlesische Wurzeln, die in der Nähe von Lauban liegen.

(Foto: EL)
(Foto: EL)
(Foto: EL)
Grußwort der Landesvorsitzenden des BdV-Niedersachsen zum Schlesiertreffen 2017

Bundesregierung hat weiterhin ein offenes Ohr für die Belange des Bundes der Vertriebenen

Erfolgreicher Jahresempfang des BdV in Berlin

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB hatte ihre Ansprache beim Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen am 28. März 2017 in der Katholischen Akademie Berlin auf besondere Art angekündigt: Bereits einige Tage vor dem Termin hatte sie in ihrem Podcast „Die Kanzlerin direkt“ geantwortet, sie freue sich auf den Jahresempfang. Ihre Teilnahme habe für sie „schon eine gewisse Tradition als Bundeskanzlerin.“ 

Das Schicksal der Millionen deutschen Vertriebenen sei neben dem Zivilisationsbruch der Nationalsozialisten „eben auch Unrecht“ gewesen, erklärte sie dort. Vor diesem Hintergrund seien die Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950 sowie der Einsatz der Vertriebenen und Aussiedler für Deutschland und Europa „wegweisend“. Im Video betonte sie außerdem die wichtige verständigungspolitische Rolle der Vertriebenen, ihrer Verbände, aber auch der deutschen Minderheiten in den Heimatgebieten.

In einer kurzen Betrachtung des Heimatbegriffes stellte sie heraus, mit wie viel Einsatz sich die Vertriebenen nach dem Krieg eine neue Lebensgrundlage erarbeitet hatten. Ähnliches Engagement sollten auch heutige Flüchtlinge zeigen, die in Deutschland aufgenommen werden: „Ihr müsst eure Herkunft nicht vergessen, aber wir erwarten von euch, dass ihr euch mit ganzer Kraft auch in die neue Heimat einbringt, in die neue Situation einbringt, nicht nur die Gesetze achtet, sondern auch für das Wohl des Landes einen Beitrag leistet“, so die Bundeskanzlerin im Interview.

Mit ihrer Ansprache beim Jahresempfang, die mit starkem Applaus bedacht wurde, nahm Angela Merkel den Faden ihres Podcasts quasi wieder auf. 

Mehrfach wurde ihre Verbundenheit mit den berechtigten Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler sowie ihre Wertschätzung des Engagements der Vertriebenen und ihrer Verbände deutlich – u.a. als sie zusicherte, „dass die Bundesregierung auch weiterhin ein offenes Ohr für die Belange des BdV und seiner Mitglieder haben wird.“

Überblicksartig schnitt die Bundeskanzlerin die derzeit wichtigen vertriebenenpolitischen Fragen an. So freute sie sich, dass die symbolische Anerkennung für zivile deutsche Zwangsarbeit gut angenommen werde. Sie äußerte die Hoffnung, bei der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ würden die Bauarbeiten vorangehen: „Wir wollen nach so vielen Jahren ja einmal etwas sehen.“ Bewahrt und gestärkt werden müsse auch das gemeinsame kulturelle Erbe, gab Merkel zu verstehen und veranschaulichte dessen ungebrochene Bedeutung am Projekt „Kant-Jahr 2024“ anlässlich des 300. Geburtstag des großen Königsberger Aufklärers Immanuel Kant. Ebenso habe die Bundesregierung Identität und Lebensperspektiven der deutschen Minderheiten in ihren Heimatgebieten im Blick und werde diese weiterhin unterstützen.

Viele dieser Themen hatte zuvor auch BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB in seiner Begrüßung der Gäste gestreift. Für den Verband betrachtete er „es als Zeichen der Wertschätzung unseres Wirkens als deutsche Heimatvertriebene, als Aussiedler und Spätaussiedler“, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jubiläumsjahr erneut Zeit für den Jahresempfang genommen hatte. 60 Jahre werde der BdV am 27. Oktober 2017 alt und reiche nach wie vor „als überparteilicher Verband ganz selbstverständlich jedem die Hand, der bereit ist, mit uns in einen sachlichen Dialog einzutreten.“ Darauf weise auch das diesjährige Leitwort „60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung“ hin.

Auf zwei Themen legte Fabritius einen besonderen Fokus: Zum einen ging er auf die Zwangsarbeiterentschädigung ein. Diese sei „das Ergebnis langjähriger Bemühungen aus unseren Reihen.“ Ausdrücklich ermutigte der BdV-Präsident alle Betroffenen, noch bis zum 31. Dezember 2017 ihre Anträge zu stellen. Zum anderen sprach das erhöhte Risiko der Altersarmut bei Spätaussiedlern an. Dieses betreffe überwiegend die Deutschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und sei eine Folge ungerechter Entscheidungen der 1990er Jahre. „Eine Korrektur ist überfällig, dafür setzen wir uns ein“, so Fabritius.

Prominente Gäste des Empfangs waren in diesem Jahr u.a. die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Prof. Monika Grütters MdB, der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Roland Jahn, die Direktorin der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Dr. Gundula Bavendamm, die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Prof. Dr. Beate Rudolf, die Vorsitzende der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN, BdV-Ehrenpräsidentin Erika Steinbach MdB, der Vorsitzende des Verbandes der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen, Bernard Gaida, der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Brähmig MdB, sowie viele weitere Vertreter des Diplomatischen Corps und der deutschen Minderheit in Polen.

Die Gäste freuten sich über die Möglichkeit guter Gespräche und eines offenen Meinungsaustausches. 

Marc-P. Halatsch

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB begrüßt Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB beim diesjährigen BdV-Jahresempfang (Foto: Peter-Paul Weiler/BdV)
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB bei ihrer Ansprache (Foto: Peter-Paul Weiler/BdV)
Einige Ehrengäste des BdV-Jahresempfanges (Foto: Peter-Paul Weiler/BdV)